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Im deutschen Reich · 1896-02-01 · Heft 2 (Februar 1896) · p. 99

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 2 (Februar 1896)
Article
Wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann
Date
1896-02-01
Page
99 (sequence 2)
Language
German
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wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann. SS nach md nach dahin gebracht werden, daß sie von Fehlern ganz frei sind und einen tugendhaften Lebenswandel annehmen, wenn nur die Unterweisung dabei ein wenig zu Hülse kommt:" Es liegt mir fern, eine solche Unterweisung geben zu wollen, lieber möchte ich die ganze Abhandlung des berühmten griechischen Schriftstellers mittheilen und es den Lesern überlassen, ihre Nutzanwendung daraus zu ziehen. Ich begnüge mich mit einigen Auszügen und will daran nur wenige Bemerkungen knüpfen. „Wer weiß, daß er einen Gegner seines Wandels, einen Nebenbuhler des Ruhms hat, der wird dadurch desto aufmerksamer auf sich selbst, der betrachtet jede Handlung von allen Seiten und richtet sein Betragen auf das Beste ein. — „Wie kann ich mich an meinem Feinde rächen? — Wenn Du selbst ein braver und rechtschaffener Mann wirst." — „Willst Du Deinen Feind kränken, so schimpfe ihn nicht; sei Du lieber selbst ein Mann und tugendhaft, liebe die Wahrheit und betrage Dich gegen Alle, die mit Dir zu thun haben, liebreich und rechtschaffen. Wirst Du aber zu Schimpfreden verleitet, so entferne Dich so weit wie möglich von dem, was Du jenem vorwerfen willst." — „Nennt Dich Dein Feind unwissend, so werde um desto begieriger zum Lernen und Arbeiten; nennt er Dich feige, so laß den männlichen Muth in Dir desto mehr erwachen; nennt er Dich geil und unzüchtig, so verbanne aus Deiner Seele alle, auch die verborgensten Spuren der Neigung zur Wollust. Denn nichts ist kränkender als eine Lästerung, die aus den Lästerer zurückfällt." — „Wer dem Verderben entgehen will, muß entweder echte Freunde oder hitzige Feinde haben; jene bessern ihn durch Ermahnungen, diese durch Lästerungen. Weil die Freundschaft heut zu Tage zur Freimüthigkeit eine zu leise Stimme hat, zur Schmeichelei geschwätzig und zu den Ermahnungen gar stumm ist, so muß man die Wahrheit von seinem Feinde hören und mehr aus die Sache selbst, als auf die Absicht des Lästerers sehen." — „Wer von seinem Feinde geschmäht wird, muß den Fehler, wenn er ihn an sich hat, sorgfältig wegzuschaffen suchen; wird uns aber ein unbegründeter Vorwurf gemacht, so darf man ihn ja nicht deswegen, weil er falsch ist, verachten oder vernachlässigen; man untersuche lieber, welche Rede, welche Handlung, welche Unternehmung oder welcher Umgang zu diesem Verdachte Anlaß gegeben hat; dies suche man nun 7*

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