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Im deutschen Reich · 1896-02-01 · Heft 2 (Februar 1896) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 2 (Februar 1896)
Article
Wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann
Date
1896-02-01
Page
98 (sequence 1)
Language
German
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98 Wie man von seinen Feinden Nutzen ziehen kann. Theuer ist mir der Freund, doch auch dem Feind kann ich nützen. Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll. Schiller durch diese kurzen Zeilen ausspricht, das lehrt ***** Plutarch in längerer Ausführung in einer seiner „Moralischen Abhandlungen", die den oben angegebenen Titel führt. Es heißt da unter Anderem: „Für's Erste nun kann das, was bei der Feindschaft das Schädliche ist, für einen aufmerksamen Mann das Allernützlichste werden. Der immer wachsame Feind lauert auf alle Handlungen. Um eine Gelegenheit zu suchen, schleicht er um unfern ganzen Wandel herum. Er späht Alles aus, was wir vornehmen, er durchgräbt und durchforscht alle unsere Anschläge. Hauptsächlich wendet er allen Fleiß an, um die Fehltritte auszuspüren; es fällt ihm nur das in die Augen, was an uns lasterhaft, schlimm und leidend ist, und aus dieses springt er gehässig zu, das fällt er an und zerreißt es. Der Vortheil nun, der daraus entspringt, ist, daß wir so vorsichtig als möglich leben, auf uns selbst Achtung gebeil, weder in unseren Handlungen noch Reden nachlässig und unbesonnen sind, sondern wie bei einer strengen Diät unseren ganzen Lebenswandel untadelhast erhalten. Denn eine solche Behutsamkeit, die die Leidenschaften in Schranken hält und die Vernunft ihre Pflicht beobachten läßt, erweckt in uns ein eifriges Bemüheil und den Vorsatz, immer recht und untadelhaft zu leben. Gleichwie Städte, gewarnt durch die unaufhörlichen Kriege ihrer Nachbarn, gute Gesetze annehmen, so können auch die, welche durch Feindschaft gezwungen werden, nüchtern und mäßig zu leben, sich vor Trägheit und Sorglosigkeit zu hüten, durch die Gewohnheit

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