Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Johannes Keppler
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316614-2318178--00765-2318249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Johannes Keppler. 91 der richtigste Weg, wenn ihr eurer fürwitzigen Natur mit Hilf und Beistand des heiligen Geistes oompesoirtev und im Zaum hieltet und euch aller Ding nach Gottes Wort regulirten. Also bitten und vermahnen wir euch, ihr wollet nicht eigenem Gutdünken folgen, Gott die Ehre geben und dem Herrn Christo sein Wort, Testament und Kirch mit euren ohnmächtigen subtilitatibus scrupulis et glossis ohnverwirret lasten. Magister Hitzler habe ganz recht, ihn für ein ungesundes Schaf zu halten, und ihn nicht mit seinen Schäflein auf die Weid und zur Tränke gehen zu lasten; wer Keppler Recht gebe, dem müsse an seiner Seligkeit wenig liegen, da er seinen Glauben nicht auf die Schrift sondern Herrn Keppleri gut ingenium zu gründen gedächte." Dieser Bescheid wurde dem großen Astronomen wie einem Schulbuben zu Theil. Aber es sollte noch ärger kommen. Zu derselben Zeit wurde seine in Leonberg lebende Mutter als Hexe angeklagt. Frau Katharina Keppler, damals nahezu 70 Jahre alt, war eine lebhafte, temperamentvolle Frau, die, der Einsamkeit abhold, ihre Nachbarinnen der Reihe nach oft und gern besuchte, wobei sie durch rege Theilnahme für besondere Vorkommnifle, vielleicht auch durch sonderbare Einfälle in den Ruf einer Hexe kam. Ehe das Gericht die Sache in die Hand nahm, verklagte die Kepplerin beim Stadtgericht zu Leonberg die Ursula Reinbold, ihre frühere Freundin, welche sie in den Verdacht einer Hexe gebracht hatte. Keppler hatte noch durch einen scharfen Brief den Haß ihrer Feinde, besonders des Leonbergischen Untervogts Einhorn geschürt. Letzterer sammelte schließlich so viel Material gegen sie, daß aus der Klägerin eine Angeklagte wurde. Im Herbst 1616 berichtete bereits der Untervogt an den Stuttgarter Oberrath, welcher die Anklagen so gravirend far> daß er die Verhaftung der Kepplerin, welche unterdessen zu ihrer Tochter, der Pfarrerin von Heumaden, geflüchtet war, verfügte. Johannes Keppler wandte sich nun in seiner Roth an den Herzog Johann Friedrich um Hülfe, da er nicht zugeben könne, daß eine geschwätzige, vom Alter gebeugte Frau einer Reinigung unterworfen werde, die ungerecht, grausam und mit dem höchsten Grad der Unterdrückung verbunden sei. Er bat den Herzog flehentlich, seinen guten Namen von Spott und Schimpf, womit präjudizir-