Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Die Folgen des Antisemitismus
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 84 (sequence 4)
- Language
- German
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84 Im deutschen Reich. artige 3SoH" heirathe fleißig und zeuge viele Kinder, so daß es bald die Majorität der Bevölkerung bilden werde.*) Nach dem Edikt von Nantes sollten alle Armier jedem Franzosen ohne Unterschied der Konsession zugänglich sein; dem Papste ließ aber die französische Regierung zu seiner Beruhigung mittheilen, daß Jemanden zu einem Amte befähigt erklären, nicht auch die Folge haben muffe, ihn wirklich anzustellen. In der That waren die Protestanten unter Ludwig XIV. schon vor Aushebung des Edikts von Nantes, gerade so wie jetzt die Juden, in manchen Ländern „im Prinzip" gleichberechtigt, in der Praxis von fast allen Aemtern ausgeschloffen. In Folge dessen mußten sich die französischen Protestanten, so wie jetzt die Juden, vorzüglich dem Handel und der Industrie zuwenden, wodurch sie zu größerem Wohlstände gelangten. Und wie man jetzt gern übertreibend von den Neichthümern der Juden spricht, so klagte man vor zwei Jahrhunderten in Frankreich darüber, daß sich zwei Drittel des gesammten Handels des Landes in den Händen der Protestanten befänden. Man glaube aber nicht, daß mit der Auswanderung eines großen Theils der Hugenotten, mit der gewaltsamen Bekehrung eines andern Theils derselben der Haß und der Neid erloschen. Auf den wenigen Zurückgebliebenen lastete ein ungeheurer Druck; sie waren fast rechtlos und, besonders in Südfrankreich, die Opfer von allerlei Verfolgungen und Verleumdungen. In Toulouse feierte man noch im „Jahrhundert der Aufklärung" alljährlich mit Umzügen und Freudenfeuern den Jahrestag der Abschlachtung von ein paar Tausend Protestanten im Jahre 1562, und noch im Jahre 1762 wurde der zweihundertste Jahrestag glänzend gefeiert. Auch des Mordes aus religiösen Gründen wurden damals die Protestanten angeklagt. Während die modernen Antisemiten ihre Verleumdung nur auf im fünfzehnten Jahrhundert durch die Folter entrissene Geständnisse basiren können, hatten damals die französischen Antiprotestanten ein Faktum aus ihrer eigenen Zeit als Beweis anzuführen. Hatte nicht Jean Calas seinen eigenen Sohn, welcher katholisch werden wollte, ermordet? War er nicht von *) Relation des venetianischen Gesandten Benier vom Jahre 1689, bei Ranke, Franz. Gesch.-Werke XII., 316.