Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Die Folgen des Antisemitismus
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 83 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Folgen des Antisemitismus. SS Kaiser Joseph für Protestanten und Juden gleichalterig. Auf eine Beschränkung der Rechte der Juden würde ohne Zweifel bald eine solche der Protestanten folgen. Ungarische, klerikale antisemitischeZeitungen schimpften den Ministerpräsidenten Tisza einen C-lviner, und ganz richtig bemerkte derAbgeordnete Paul Szontagh im ungarischen Reichstage, mit Bezug auf ein Diktum des Kardinals Pazmayn: „Wenn die reaktionäre Richtung einmal über die Sache der Juden den Sieg davon trägt, dann wird man alsbald auch den Lutheranern und Calvinern auf den Kragen speien." Auf die bekannte Verfügung des Brandenburgischen Provinzial- Schulkollegiums folgte eine seltsame Kundgebung im Vorarlberger Landtage. In der Bregenzer Landstube fürchtet man nicht, daß etwa ein Jude als Lehrer angestellt werden könne, aber man will die katholische — wohlgemerkt, nicht die christliche. Schule haben. „Unsere Lehrer müssen katholisch, streng katholisch gesinnt sein .. . katholisch müssen auch die Schulbücher sein, katholisch muß der Geist sein, der in der Schule herrscht," sagte der Abgeordnete Rudigier. In Frankreich hat sich aus dem Antisemitismus sehr schnell der Antiprotestantismus entwickelt; ja, es fällt schon jetzt schwer, die beiden intoleranten Bewegungen von einander zu unterscheiden. Dort kann man auch ihren Zusammenhang am deutlichsten wahrnehmen, denn die beiden Pflanzen entstammen derselben Wurzel, der Mißgunst. Die Rechtlosmachung der französischen Protestanten durch die Widerrufung des Edikts von Nantes war nicht das Werk Ludwigs XIV. allein, sondern wurde von dem Klerus betrieben, von der großen Mehrheit der katholischen Franzosen mit Freude begrüßt. Eine geistig so hochstehende Dame wie Frau von Sevigne sagte von dem betreffenden Dekret: „Risn n'est si beau que tout ce qu’il contient et jamais aucun Roi n’a fait et ne fera rien de phis memorable.“ Natürlich mußte man auch einige Gründe zur Rechtfertigung der Verfolgung angeben, und man fand, merkwürdiger Weife, keine andern, als die jetzt von den Antisemiten gegen die Juden in's Feld geführten: Ausbeutung, Bereicherung, Mangel an nationalem, patriotischem Gefühl u. dergl. Man bedauerte sogar den Mangel des Cölibats bei den Protestanten, denn dieses „bös-