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Im deutschen Reich · 1896-02-01 · Heft 2 (Februar 1896) · p. 82

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 2 (Februar 1896)
Article
Die Folgen des Antisemitismus
Date
1896-02-01
Page
82 (sequence 2)
Language
German
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82 3m deutschen Reich. können, nur wegen der Form ihrer Nase oder der Schwärze ihres Haares für Juden gehalten und als solche von Antisemiten mißhandelt wurden. Das sind aber nur nebensächliche, mehr komische als tragische Folgen des Antisemitismus. Eine bedeutsame Folge desselben und wohl diejenige, welche die Judengegner am wenigsten erwartet haben, ist die Kräftigung des Judenthums. Freilich, materiell ist der Schaden für die Juden sehr groß, aber moralisch hat die Bewegung ihnen genützt, sie zur Ablegung mancher Fehler veranlaßt, ihr religiöses Gefühl gekräftigt und geläutert. Da das Judenthum im Laufe der Jahrhunderte schon mehrere solcher Feuerproben überstanden hat, so ist zu hoffen, daß es auch aus der gegenwärtigen in seinem Kern unversehrt hervorgehen wird. Anders bei den Gegnern. Ob sie, abgesehen von den Redakteuren und Herausgebem antisemitischer Zeitungen, einigen Wahlagenten und einigen durch die Entfernung jüdischer Konkurrenten zu Aemtern gelangten Strebern, materiell von der Judenverfolgung prosttirt haben, ist zu bezweifeln. In Wien sind manche antisemitische Gewerbetreibende zu Grunde gegangen, weil sie über der Agitation ihr Geschäft vernachlässigten. Noch deutlicher ist der moralische Schaden wahrzunehmen. Man schimpfte so lange auf die Juden, verleumdete sie so lange, verbreitete so lange Lügen über sie, bis das Schimpfen, Verleumden und Lügen zur Gewohnheit ward. Nicht blos Juden, sondern auch eifrige Christen werden jetzt schon in bübischer Weise angegriffen. Die Spielerei mancher „Strammnationalen" mit den altgermanischen Heidengöttern, die Verpönung biblischer Taufnamen, die Abschaffung der Jahreszählung nach Christi Geburt mag lächerlich sein und wird wohl so schnell aus der Mode kommen, wie die Skaldenpoesie im vorigen Jahrhundert. Ernster aber ist es schon, wenn Priester das Alte Testament herabsetzen und im Style Voltaire's von den Patriarchen und vom König David sprechen, den doch die katholische Kirche zu ihren Heiligen zählt, oder wenn der klerikale Prinz Liechtenstein im Parlament sich über den Propheten Jesaias lustig macht, auf dessen. Verkündigungen sich doch das Neue Testament wiederholt beruft. Am meisten bedroht der Antisemitismus die Protestanten in katholischen Ländern. In Oesterreich sind die Toleranzgesetze des

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