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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 76

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Meister Josephus "Das Märchen von Jerusalem" [Rezension]
Date
1896-01-01
Page
76 (sequence 2)
Language
German
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76 3m deutschen Reich. Alles nicht geschehen wäre; aber mit dem wissenschaftlichen Ableugnen ist Nichts gethan. Josephus selbst ist in jüdischen Kreisen als Verräther genug gebrandmarkt worden; die Vorgänge in Jerusalem vor der Zerstörung haben schon durch die alten Rabbinen die schärfste Verurtheilung gefunden. Aber die Vaterlandsliebe, die Liebe zum Tempel als Mittelpunkt, den Heldenmuth, mit dem jene Eiferer untergegangen sind, — das abzuleugnen, ist trotz Ben Akiba doch dem Verf. zuerst eingefallen. Aber er bleibt dabei nicht stehen. Die Loslösung des Christenthums vom Judenthume, des neuen vom alten Testamente, verlangt er, „selbst auf die Gefahr hin, daß dadurch der Atheismus an Boden gewinnt". Und dabei geberdet er sich als gläubiger Christ. Wie er Beides vereinigen kann, das mag er mit sich selbst ausmachen; die Milde gegen den atheistischen Zug hat er mit denen gemeinsam, die den Wotan wiederum zum Gotte der Deutschen machen wollen. Was Andere verschweigen, spricht er aus, daß dadurch auch die Theologen offener gegen die Juden vorgehen können. Das alte Testament stammt nach seiner Meinung nicht ganz von den Juden. Das Beste haben sie anderen Völkern abgeplündert. Dem sogenannten Deuterojesaia und dem Buche Hiob spricht er sicher einen außerjüdischen Ursprung zu. Ja, cs ist hart für die Antisemiten, daß die Bibel ein für alle Mal ursprünglich hebräisch geschrieben ist. Andere machen es einfacher, erklären sie für ein schlechtes Buch und werfen sie den Juden zurück. Verf. scheint etwas für sie zu fühlen und möchte sie den Juden absprechen. Wo konnte ein Deuterojesaia denn anders erwachsen, als auf der Grundlage des israelitischen Prophetismus, dessen Zusammenhang mit der Thora gerade die Bibelwissenschaft genau darthut? Sind Amos und Hosea keine Juden gewesen? Und will er den Jeremia den Israeliten absprechen? Und steht der Deuterojesaia nicht auf demselben Standpunkte, setzen seine Sittenlehren und seine Hoffnungen nicht deren eifervolle Worte voraus? Und beruhen die Streitfragen des Hiob nicht auf der Vergeltungslehre der Thora? Vielleicht versucht es Verf. mit einer anderen Schrift darüber, und ich bin sicher, ihm gelingt mit „ein wenig Geschichtskritik" auch etwas, wovor andere Gelehrte zu Ehren der Wissenschaft zurückschrecken. Daß bei ihm der Talmud nicht glimpflich fortkommt, ist selbstverständlich; darin bietet er nur das tausendmal Gesagte. Vielleichl beglückt er uns künftig auch hier mit neuen Ergebnissen. Eins ergiebt sich für uns aus dieser Schrift: Die Wichtigkeit des wissenschaftlichen Kampfes. Solche Auslassungen finden auch ihre Leser, oft nicht die schlechtesten, und denen erscheint das Sonderbare oft deshalb gut, weil es neu ist. Uns liegt es demnach auch ob, unsere Erinnerungen, überhaupt unsere Geschichte und unser Schriftthum kennen zu lernen, um es mit prüfendem Auge betrachten zu können und immer

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