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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 77

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Meister Josephus "Das Märchen von Jerusalem" [Rezension]
Date
1896-01-01
Page
77 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 77 mehr und mehr klarzulegen, daß unsere Vergangenheit so wenig das Auge des Beurtheilers zu scheuenhat, wie unser Wirken in der Gegenwart. Wir wollen nicht besser sein und brauchen nicht besser zu sein, als Andere; aber wir wollen, auch nicht schlechter sein. Und diesem Nachweis vor Allem muß unser wissenschaftlicher Kampf in aller Reinheit dienen. Preußisch-SLargard. Ludwig A. Rosenthal. Der Blutaberglaube in der Menschheit, von Hermann L. Strack, Dr. theol. et phil. ao. Professor der Theologie an der Universität zu Berlin. 4. neu bearbeitete Auflage. München 1892. C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung. Wie ein Gespenst erscheint die Blutlüge in Zeiten des Judenhasses und droht oft das bitterste Unheil über die unschuldigsten Menschen zu bringen. Seit Jahrhunderten tauchen dieselben entsetzlichen Phantasien auf; der Jude, dessen Religion der Menschheit das Zehngebot gebracht hat, wäre von Religions wegen verpflichtet, ein Kannibale zu sein. Was unmöglich schien, ist zu einer Thatsache geworden; selbst in unseren Zeiten erhebt die alte, fluchwürdige Anklage ihr Haupt, selbst die Tragödien, die sich in Tisza - Eßlar und .1'anten u. s. w. abgespielt. haben, vermochten nicht, die Herzen der nach schweren Beschuldigungen gegen die Juden leidenschaftlich ausschauenden Judenhasser wenigstens insoweit zu läutern, daß sie die Blutlüge als die Ausgeburt der größten 'Niedertracht oder der gröbsten . Unwissenheit bezeichneten. Noch heute lesen wir in Zeitungen, hören wir in Versammlungen, datz der Ritualmord thatsächlich zu den Gepflogenheiten des Judenthums gehöre. Diejenigen belehren und bekehren zu wollen, bei denen der Haß jenes entsetzliche Vorurtheil erzeugt hat, ist unmöglich; leidenschaftlicher Haß kann eben nicht mit Vernunft und Gründen widerlegt werden. Aber wahrhaft erschütternd wirkt es auf jeden Juden, wie überhaupt auf jeden Kenner der Thatsachen, wenn die Blutlüge auch in weitere Kreise zu dringen droht, wenn mir Menschen begegnen, die, mehr aus Unwissenheit als aus Böswilligkeit, glauben, daß vielleicht doch zu manchen Zeiten die Bekenner des einig-einzigen Gottes Menschenblut zu religiösen Zwecken verwandt haben. Jedenfalls ist es lehrreich,, zu'erfahren, wo die Brutstätte dieser höllischen Verleumdung zu suchen ist. Die Blutlüge hat ihre Geschichte, sie drückt seit Jahrhunderten den Judenfeinden giftige Waffen in die Hand, und nicht zu den geringsten Verdiensten des Professors Strack gehört es, daß er daS uns vorliegende Buch: Der Blutaberglaube u. s. w. zur Belehrung und Aufklärung geschrieben hat. Man merkt es dem Verfasser an, wie sein sittliches Gewissen und seine wissenschaftliche Ueberzeugung ihn zu seiner Schrift veranlaßt haben. ' Vom höheren Gesichtspunkte aus be-

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