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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 75

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Meister Josephus "Das Märchen von Jerusalem" [Rezension]
Date
1896-01-01
Page
75 (sequence 1)
Language
German
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75 HLchsrscha«. Meister J-sephus „Düs Märchen von Jerusalem". (Verlag von Hermann Beyer, Leipzig.) Wenn wir uns mit dem unter diesem Titel erschienenen Heftchen hier befassen, so geschieht es nicht, weil wir solche Auslassungen irgendwie ernst nehmen, sondern weil es uns (nach dem Motto des Vers.: Pars pro toto, seit Haman der besten Formel für den Judenhaß) den jetzigen Stand unserer wissenschaftlichen Feinde kennzeichnet. Sic bedürfen neuer Schlagwörter; die alten ziehen nicht mehr. Nicht genug, daß sie uns das jüdische Schriftthum im Allgemeinen durch ihre maßlosen Angriffe näher gebracht haben, wollen sie uns nun wahrscheinlich zeigen, wie wichtig gewisse geschichtliche Erinnerungen für uns sind, die sie uns rauben wollen. Es handelt sich hier um den „jüdischen Krieg" des Josephuö. Da wird der alte Geschichtsschreiber zum Geschichtsfälscher im Großen- Das von Titus zerstörte Jerusalem war nach Ansicht des Vers, nur ein kleines Städtchen von etwa 29--NO 000 Einwohnern, der herodianische Tempel an sich nur so groß wie eine heutige Kirche, sticht war es ein Kampf der Römer gegen die Juden, sondern ein Kampf der jüdischen Großen gegen die armen Galiläer, die nicht jüdischer Abkunft waren. Die römischen Landpsleger waren die reinsten Lämmer, die unter beii größten Schwierigkeiterl das jüdische Volk schützten. Dem Veüpasian und dem Titus lag wenig an dem Besitze des Landes; nur wenige Legionen befanden sich um Jerusalem. Selbst die Belagerer zitterten vor den eingeschlossenen Juden, und man war ordentlich ängstlich, wenn cs hieß, durch Zerstörung deS Tempels sie zu beleidigen. Erst ganz zuletzt besannen sich die Kämpfer in der Stadt darauf, statt des Kanipfes um Vorherrschaft der Reichen oder der Armen, für Tempel und Vaterland zu streiten, um dem Untergange doch wenigstens eine heldenmüthige und edle Färbung zu geben. Daß der Zorn Gottes ihre Zerstreuung zur Folge gehabt, ist eine jüdische Erdichtung, ebenso die Million der in Jerusalem Umgekommenen. — Mit solchen Mitteln kann man die ganze Geschichte in ihr Gegentheil verwandeln, und es würde dem Vers, vorliegender Schrift mit „ein wenig Geschichtskritik" (allerdings sehr wenig!) leicht werden, die ganze Leidensgeschichte des Judenthums dahin zu verdrehen, als wären die Juden selbst die Flagellanten, die Inquisitoren und deren Genossen gewesen, ihre angeblichen Peiniger dagegen die eigentlichen Märtyrer. Für Alles, was Juden auf dem weiten Wege durch die Völkergeschichte gelitten haben, sollte man ihnen doch die einzige, traurige Genugthuung lassen, wirklich gelitten zu haben. Wir wären gewiß glücklich, wenn das

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