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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 73

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1896-01-01
Page
73 (sequence 6)
Language
German
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VereinsnachrichLen. 78 welche die Verurtheilung Sedlatzek's zu 3 Monaten Festungshaft zur Folge hatte, daß aber der Vorstand Herrn Sedlatzek zur Berichtigung der unwahren Behauptung, seiner Zeit die Beschlagnahme des Gedichts „Der Bettler" veranlaßt zu haben, zwingen werde. Wegen der Auffrischung des Blutritualmärchens sei gegen denselben Redakteur auf Grund der 88 166 und 360II eingeschritten worden. Zu dem Mißerfolge des Herrn Ahlwardt in Amerika habe der Central- Verein durch ein Rundschreiben an zwanzig deutsch-amerikanische Redaktionen beigetragen. — Nach einer kurzen Pause wurde die Diskussion eröffnet, an welcher sich die Herren Journalist I. Frankel, Redakteur Klausner und Herr Di-. Hir sch-Hildesheim betheiligten, welcher letztere in längerer Rede interessante Ergänzungen des gehörten Vortrages bot. Er wies dabei u. A. darauf hin, daß, wenn die in der kürzlich veröffentlichten Kriminalstatistik angegebene Zahl der Juden, welche sich der Militärpflicht entzogen haben, verhältnißmäßig hoch erscheine, dies auf den bedeutenden Antheil zurückzuführen sei, welchen die Juden an der Auswanderung haben, zu welcher viele derselben nur durch die antisemitischen Anfeindungen gedrängt würden. Die neuesten Publikationen des „Cornites zur Abwehr des Antisemitismus", welche die Leistungen der Juden auf dem Schlachtfelde betreffen, hätten gezeigt, daß es den Juden nicht an Muth gebricht. Weitere Nachweise über „die Juden als Soldaten" würden zeigen, daß sie dort, wo man ihnen im Heere volle Gleichberechtigung gewährt, z. B. gerade in den unserem Vaterlande verbündeten Reichen, in Oesterreich und in Italien, auch Tüchtiges als Ofsiziere leisten. Der Divisionsgeneral Ottolenghi inTurin sei ein glaubenstreuer Jude, der noch heute an jedem dienstfreien Sabbath die Synagoge besuche. Es sei dies derselbe, der vor wenigen Jahren, als der protestantische deutsche Kaiser den Papst besuchte, die italienischen Truppen befehligt habe, welche dabei Spalier bildeten. Jüdische italienische Soldaten hatten neuerdings in Abessynien große Tapferkeit bewiesen; besonders habe sich bekanntlich der Kapitain Issel ausgezeichnet. In Oesterreich bekennen sich 480 Linienoffiziere zur jüdischen Religion. An dem amerikanischen Unabhängigkeitskriege im vorigen Jahrhundert hatten zu einer Zeit, wo es im Ganzen nur 3000 Juden in Amerika gab, 48 Juden theilgenommen, an dem amerikanischen Bürgerkriege, als bereits 300 000 Juden in Amerika lebten, 8000. Der Adjutant Washingtons, General Arnold, war Jude. Karl Schurz erklärte, „daß die Juden sich nicht zu schlechten Patrioten machen lassen, so schwer man es ihnen mache, den Patriotismus zu bewahren." Die hohe Ziffer der im letzten deutschfranzösischen Kriege gefallenen oder verwundeten Juden beweise, daß auch die deutschen Juden auf dem Felde der Ehre ihre Schuldigkeit gethan.

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