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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 69

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1896-01-01
Page
69 (sequence 2)
Language
German
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vereinsnachrichten. 69 Die außerordentlich zahlreich besuchte allgemeine Versammlung, welche am Dienstag', den 21. Januar, im Saale des Hotel Imperial, Berlin NW., Unter den Linden 44, abgehalten wurde, eröffnete Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz mit einem Hinweise auf die jetzigen, der Erinnerung an die große Zeit vor 25 Jahren geweihten Tage. Als damals der König rief und Alle, Alle kamen, seien die Unterscheidungen verschwunden, unter welchen wir jetzt wieder seufzen. Wenn damals unsere Glaubensgenossen mit Freuden Gut und Blut für das Vaterland einsetzten, Hütten sie nur ihre Pflicht gethan. Auch wir seien berufen, für ideale Güter zu kämpfen. Rechte zu vertheidigen, welche Verfassung und Gesetz uns verbürgen. Die Erinnerung an die große Zeit vor 25 Jahren solle uns in diesem Kampfe aufrecht erhalten und uns in der Hoffnung bestärken, daß man uns unsere idealen Güter schließlich nicht rauben könne! Hierauf erhielt Herr Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld das Wort zu einem Vortrage über „die staatsbürgerliche Stellung der Juden in Theorie und Praxis". Der Redner beleuchtete zunächst diejenigen Artikel der preußischen Verfassung, welche die Gleichstellung aller Preußen vor dem Gesetz und die Unabhängigkeit der staatsbürgerlichen Rechte von dem religiösen Bekenntniß betreffen und verwies dann auf die irrthümliche Deutung, welche die Verfechter der Stahl'schen Theorie vom „christlichen Staate" dem Artikel 14 der preußischen Verfassung zu geben versuchen. Es sei widersinnig, dein modernen Staat einen konfessionellen Charakter aufzudrücken; es sei nicht im Sinne der Gesetzgebung, wenn die Juden von der größten Zahl der Staatsämter im Verwaltungswege ausgeschlossen würden. Der Redner besprach dann die Thatsachen, daß aktive Offiziersstellen von den Juden trotz aller militärischen Pflichttreue und Tüchtigkeit nicht zu erlangen seien, daß höhere Verwaltungsstellen sowie Richterstellen nur selten mit Juden besetzt werden. Zum Notariate würden mit wenigen Ausnahmen die jüdischen Rechtsanwälte Berlins später als ihre christlichen Kollegen Zugelassen. Daß bei solchen Dingen aus Opportunitätsgründen und mit Rücksicht auf die Zeitströmung nicht die Befähigung oder das Amtsalter des Einzelnen, sondern das Verhältniß der Zahl der Juden zu der gesammten Bevölkerungsziffer in Betracht gezogen werde, entspreche nicht dem Ideal der Gerechtigkeit. Aehnliche Gründe seien geltend gemacht worden, als sich Juden darüber beklagten, daß sie nicht mehr wie früher zum Schöffen- und Geschworenenamt berufen würden. Der Vortragende berichtet, wie dabei einerseits nach dem Rathe des Central-Vereins, andererseits dadurch, daß ein jüdischer Stadtrath diese Sache im Magistrat zur

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