Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 53 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 53 gebührenden gerichtlichen Schritte eingeleitet worden, um uns an Gerichtsstelle Gelegenheit zu geben, seine Angriffe und Beschimpfungen als unqualifizirbare Verleumdungen nachzuweisen." Der Geschäftsantisemitismus ist auch anderwärts sichtlich im Niedergange» Nach einer Bekanntmachung im „Reichs-Anzeiger" hat sich die Verlagsanstalt des antisemitischen Unternehmens „Frei-DeuLschland"durch Beschluß der Gesellschafter am 9. November 1895 aufgelöst. Der Neichstagsabgeordnete Prof. Dr. Paul Förster protestirt dagegen, daß das im Verlage eines Einzelbesitzers fortbestehende Blatt seinen Namen weiter führt. Die bisher in Dortmund erschienene „Westfälische Reform", welche sich selbst als das älteste antisemitische Blatt bezeichnte, hat am 31. Dezember 1895 ihr Erscheinen eingestellt. Daffelbe Loos traf das in Kassel von dem Neichstagsabgeordneten Ludwig Werner redigirte „Antisemitische Volksblatt", an dessen Stelle jetzt ein von dem hessischen Landesverbände der Reformpartei herausgegebenes Wochenblatt erscheint, dessen Redaktion Herr Werner führen soll. Ob die Schriftleitung des „Deutschen Volks-Recht" nach der Rückkehr Ahlwardt's von seiner „unaufschiebbaren Reise nach Amerika" von dem Gastwirth Bodek wieder dem ehemaligen „Rektor aller Deutschen" übergeben wird, scheint noch dahin zu stehen. Trotz der wohlverdienten Strafe, welche den New-Iorker Juden Louis Silvermann traf, welcher im Cooper-Jnstitute faule Eier nach dem antisemitischen Redner warf und trotz des gegen einen Brooklyner Saalverweigerer Philipps wegen Kontraktbruchs angestrengten Prozesses, ist es weder dem' Impresario Heuer, noch dem Geschäftsführer des letzteren, L. R. Menhagen, gelungen, für Ahlwardt eine wirksame Reklame zu erzielen. Die beleidigende Spekulation auf die Neugierde der amerikanischen Staatsbürger scheiterte an der Klugheit der letzteren, welche nach den abgedroschenen Bundschuh-Phrasen so wenig lüstern waren wie nach etwaigen Auszügen aus den berühmten Judenflinten-Akten. Es ist jedenfalls vielen Redaktionen einflußreicher Blätter der nordamerikanischen Union als Verdienst anzurechnen, daß sie unserer an sie gerichteten Bitte sofort entsprachen, rechtzeitig ihre Landsleute über das Wesen dieses antisemitischen Agitators aufklärten und dieselben davon zurückhielten, durch den Besuch der Ahlwardt-Versammlungen das Unternehmen Heuer's zu begünstigen und dadurch dem geldbedürftigen Schützling des letzteren wieder auf die Beine zu helfen. Während der ehemalige Hofprediger Stöcker die ärgsten, neuerdings offenbar absichtlich wiederholten Beleidigungen des „Kladderadatsch" ruhig hinnahm, hatte der Vertreter des Reichstagswahlkreises Eschwege-Schmalkalden, Herr Pastor Jskraut, wegen des