Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 51 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 51 Justizminister wegen auf unser gutes Recht endgültig zu verzichten." Fast zu derselben Zeit brachte der in Berlin erscheinende „Deutsche General-Anzeiger" unter der Überschrift „Wie man heute Carriöre macht" einen Artikel, in welchem gesagt wurde: „Die bekannten unsichtbaren Hände, welche gegenwärtig in unseren oberen Kreisen die Fäden knüpfen, sind bemüht, in die durch den Tod Tessendors's freigewordene Stelle des Ober-Reichs-Anwalts den Oberstaatsanwalt am Kölner Oberlandesgericht, den Geheimen Oberjustizrath Hamm zu bringen. Es ist dies derjenige Herr, welcher als der beauftragte staatliche Ankläger wider Buschoff zum höchsten Erstaunen aller Deutschen die Geschworenen ersuchte, den Buschoff als nicht des Mordes schuldig zu erklären." Durch den Fall Hammerstein ist eine Trennung des regierungsfreundlich gesinntenTheils der Konservativen von den durchden preußischen Landwirthschaftsminister als „sogenannte Konservative" bezeichneten Politikern zur Nothwendigkeit geworden. Die im Prozeß Rauch zur H a mm erst e i n -Af f a ir e gemachten Feststellungen, insbesondere aber die Auseinandersetzungen zwischen dem Herrn Oberstaatsanwalt Drescher und dem Herrn Grafen Finkenstein schienen die Annahme zu bestätigen, daß einzelne Hintermänner der „Kreuzzeitung" sich nur sehr schweren Herzens zur gerichtlichen Verfolgung des ehemaligen Chefredakteurs dieses Blattes entschlossen haben und von den etwaigen Aussagen des Angeklagten nichts Gutes für ihre Sache erwarten. Nach einer Mittheilung des Dresdener Antisemitenblattes „Deutsche Wacht" soll Frau von Hammerstein von Athen aus an eine Freundin in Berlin geschrieben haben: „Mein Mann ist als Betrüger zum Betrogenen geworden, wir haben Alles verloren. Es wird ein Skandalprozeß werden, aber er wird Vielen noch unangenehmer sein, als mir und meinem Manne, der schonungslos Alles aufdecken wird." Daß man von konservativer Seite versucht hat, den verbrecherischen Freiherrn von Hammerstein, dessen uralter Adel verbrieft ist, von sich abzuschütteln und daß die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" auf den bekannten Aprilscherz des sozialdemokratischen „Vorwärts" hin, als „Ehammer-Stein" zu einem Judensprößling zu machen strebte, kennzeichnet die Verlegenheit der Kreise, in welchen der jetzt Berfehmte so lange hoch gefeiert war. Nicht minder bezeichnend sind die krampfhaften Versuche, die öffentliche Aufmerksamkeit von diesem Fall auf den flüchtigen Rechtsanwalt Fritz Friedmann abzulenken. Die „Deutsche Wacht" schrieb noch am 4. Januar: „Es scheint fast, als ob die Glaubensgenossen Friedmann's, die im Falle Hammerstein so laut nach dem Staatsanwalt riefen, jetzt dessen Spuren verwischen 4*