Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 50 (sequence 4)
- Language
- German
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50 3m deutschen Reich. Vertreterin derselben Konfession anzugehören habe, wie die zu Vertretende. In einer am 20. Dezember 1895 in der Tonhalle veranstalteten, sehr schwach besuchten antisemitischen Versammlung war, in der irrthümlichen Annahme, daß der Erlaß des Provinzialschulkollegiums eine Ausschließung der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen von den Gemeindeschulen bezwecke, behufs Ausrechterhaltung der erwähnten Verfügung, eine Jmmediat-Eingabe an den Kaiser beschlossen worden. Nachträglich fanden es der Vorsitzende des deutsch-konservativen Wahlvereins Herr Oberst a. D. Krause und der antisemitische Stadtverordnete Pretzel doch noch räthlich, in derselben Sache auch bei dem Herrn Kultusminister vorstellig zu werden, der ihnen auch zugesagt haben soll, in feinem Gutachten auf die Jmmediat-Eingabe die Aufrechterhaltung der Verfügung des Provinzialschulkollegiums zu befürworten. Wenn die Verfügung so angewendet wird, wie Herr Kultusminister Dr. Bosse am 27. Dezember an den Vorstand der Jüd. Gemeinde in Berlin schrieb, hat die letztere kaum noch einen Grund, die Aufhebung der Verfügung zu wünschen. Wie es mit der angeblichen Regierungsfreundlichkeit der Antisemiten bestellt ist, darüber kann kein deutscher Minister mehr im Unklaren sein. Nicht nur die von ihnen offenkundig betriebene Verschleppung des regierungsseitig dringend gewünschten Abschlusses der Verhandlungen über das bürgerliche Gesetzbuch, sondern auch ihre gehässigen Aeußerungen über die Rechtsprechung, besonders aber die beständigen Verdächtigungen der Behörden durch die antisemitische Presse zeigen, wer die Unzufriedenheit besonders der Mittelklassen systematisch nährt. Muß es nicht z. B. auf die Leser des „Badischen Volksboten" eine aufreizende Wirkung ausüben, wenn dieselben in diesem Blatte am letzten Tage des vorigen Jahres nach einer Betrachtung über den Anwaltszwang folgende Sätze fanden: „Das ist deutsches Recht im 19. Jahrhundert, unter preußischer Führung gezimmert. Wenn nicht bald ein Friedrich der Große ersteht, der mit seinem Krückstock dazwischen fährt und dieser von Juden und Judengenossen fabrizirten Gesetzgebung einen Tritt versetzt, dann werden noch die Besten im Lande Sozialdemokraten, da sie nur im Untergang eines solchen Staatswesens ein Heil für ehrliche, rechtsuchende Männer finden. Daß man aber in Baden die Errungenschaften eines halben Jahrhunderts preisgab, um seine Staatsbürger unter ein solches Joch zu zwingen, das kann nicht mit Absicht geschehen sein, das war ein weiteres großes Opfer am Altar der Einheit, das Baden Deutschland gebracht hat. Jetzt aber wollen wir Badener endlich gehört werden, Venn wir sind nicht gesonnen, preußischer jüdischer