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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 49

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Umschau
Date
1896-01-01
Page
49 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 49 redner, Herr Rittergutsbesitzer von Winterfeld-Menkin, in heftigen Ausfällen gegen die „jüdischen Spekulanten" und die „frechen. Judenblätter", und in -seltsamen Phantasien über die „Weltherrschaft des jüdischen Kapitals". Wie sich im Voraus erwarten ließ, sprach der bekannte antisemitische Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg in demselben Sinne. Äußer dem Rektor Geh. Rath Adolf Wagner waren nur zwei jüngere Profefforen der Universität anwesend, dafür aber der Bunv der Landwirthe durch Herrn von Ploetz vertreten. Daß der ehemalige Hofprediger Stöcker fern geblieben war, konnte nicht überraschen, trotzdem der Verein deutscher Studenten noch vor Jahresfrist seine Ernennung zum Ehrenpräsidenten in's Auge gefaßt hatte und die Verwirklichung dieser Absicht damals nur an dem Einspruch des Rektors Professor Psteiderer gescheitert sein soll. Nach dem Rektorats- Wechsel gelangte der bezügliche Antrag wieder vor die Generalversammlung des Vereins deutscher Studenten. Obgleich ein Redaktionsmitglied des „Volk" als Alter Herr ganz energisch für Stöcker in's Zeug ging, wurde der Antrag nach langem Debattiren abgelehnt, gelangte also gar nicht zur Bestätigung an den jetzigen Universitätsrektor Professor Wagner. Der Umschwung in der Stimmung der „deutschen Studenten" soll durch den bekannten „Stöckerbrief", dann durch den Streit Stöcker's mit Herrn Professor Brecher, hauptsächlich aber durch die wenig geschickte „Selbstvertheidigung" des ersteren in der „Evangelischen Kirchenzeitung" herbeigeführt worden sein. Zu dem letzten Stiftungsfeste des Vereins hatte Herr Stöcker nicht einmal eine Einladung erhalten. Daß trotz des wirren Treibens ihrer antisemitischen Gegner die in Berlin lebenden zahlreichen Deutschen jüdischen Glaubens ihre Freude am Reiche stets ungetrübt bewahrten, ist dem Umstand zuzuschreiben, daß sie die Ueberzeugung in sich trugen, im deutschen Kaiserreiche werde nothwendig das Dichterwort Geltung behalten: „Was irgend gut ist und von vben kommt, ist allgemein und ohne Vorbehalt — doch in den Falten wohnt die Finsterniß." Ein Mißverständniß, das in solcher dunklen Falte saß, darf glücklicher Weise als nahezu beseitigt gelten. In einem vom 27. Dezember vor. I. datirten Schreiben des Kultusministers Dr. Bosse an den Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin erklärte Se. Ercellenz, daß der die Anstellung der jüdischen Lehrerinnen betreffende Erlaß des Provinzialschulkollegiums nicht als eine Ausschließung solcher von dem Gemeindeschuldienst zu verstehen sei, wie mißverständlich angenommen werde. Das Provinzialschulkollegium habe nichts weiter angeordnet, als daß künftighin bei Vertretung von Lehrerinnen die 4

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