Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Umschau
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 48 (sequence 2)
- Language
- German
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4fi 3m deutschen Reich. vergällt zu werden droht, die von solchen Unzufriedenen ausgehen, welche zwar scheinbar nur das Judenthum anfeinden, in Wirklichkeit aber die Grundlage des Deutschen Reiches, die Gleichheit aller seiner Bürger vor dem Gesetze, systematisch unterwühlen. Früher oder später wird es sich zeigen, daß Reformer dieser Art die schlimmsten, gefährlichsten Umstürzler sind, während die Deutschen jüdischen Glaubens gern an der Wohlfahrt des Vaterlandes Mitarbeiten und Freude an der Größe und dem Gedeihen des Reiches empfinden. Diese Freude ist um so aufrichtiger, als sie von der Ueberzeugung durchdrungen sind, daß die von ihren erbitterten Gegnern unablässig angestrebte Aufhebung der Gleichberechtigung der verschiedenen religiösen Bekenntnisse im deutschen Kaiserreiche eine Unmöglichkeit ist. Durch Unduldsamkeit auf religiösem Gebiete würden thatsächlich die Wurzeln seines Daseins untergraben werden, denn das wahre Salböl des neuen deutschen Kaiserthums war die Humanität; sein eigentliches Fundament ist und bleibt die Gerechtigkeit gegen alle Staatsbürger! Bei der von den städtischen Behörden im Berliner Rathhause abgehaltenen Erinnerungsfeier erinnerte Herr Stadtverordnetenvorsteher vr. Langerhans daran, daß damals, als die Deutschen der verschiedenen Stämme in Frankreich Schulter an Schulter stritten, es Allen klar war, daß sie in Gemeinsamkeit wie Brüder zusammenstehen müßten. Jetzt sei es nicht mit dem Jubel abgethan; jetzt gelte es, das Errungene zu erhalten, dafür zu sorgen, daß das Werk nicht zu Schaden komme. Der Redner fuhr dann fort: „Eine Gefahr des Krieges liegt jetzt nicht vor, aber ist es nicht auch eine Gefahr, daß heut zu Tage Vorurtheile aller Art auftauchen und in die Einheit unseres Bürgerthums einen Riß tragen? Droht damit nicht Gefahr für unsere Kulturaufgaben? Für uns ergiebt sich daraus die Pflicht, dagegen zu thun, was wir können. Durch Einigkeit müssen wir stark werden. Wenn die Bürgerschaft darin zusammenhält, Anschauungen abzuweisen, welche uns erniedrigen und unseren Bürgerstolz verletzen, so thun wir damit nur unsere Schuldigkeit. Wir wollen einstehen für die Rechte aller Bürger!" Wenn solche trefflichen Gesinnungen von zahlreichen Vaterlandsfreunden gehegt werden, dann kann eS „unsere Freude am Reiche" nicht trüben, daß selbst bei einzelnen anderen, aus Anlaß deS 25 jährigen Gedenktages der Wiederaufrichtung des deutschen Kaiserreiches begangenen Festen die Aufstachelung der Gemüther gegen die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens versucht worden ist. So erging sich bei dem von dem Verein deutscher Studenten im Kroll'schen Etablissement zu Berlin abgehaltenen Kommers der Fest-