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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 47

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Umschau
Date
1896-01-01
Page
47 (sequence 1)
Language
German
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47 Umschau. Mm 18. Januar 1896 waren 25 Jahre seit dem denkwürdigen grv Tage verflossen, an welchem König Wilhelm I. von Preußen, umgeben von den deutschen Fürsten und Generälen, im großen Saale des Versailler Schlosses zum Kaiser ausgerufen wurde. „Geendigt nach langem verderblichen Streit war die kaiserlose, die schreckliche Zeit!" Diese frohe Gewißheit wurde bekräftigt durch die Proklamation an das deutsche Volk, in welcher der Kaiser für sich und seine Nachfolger von Gott die Fähigkeit erbat, allzeit Mehrer des Deutschen Reiches zu sein, nicht zu kriegerischen Eroberungen, sondern in den Werken des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesinnung. Was das gesammte deutsche Volk so lange vergeblich ersehnt hatte, es war endlich erreicht worden; nach schweren Kämpfen, in welchen so viele wackere Krieger ihr Herzblut heldenmüthig vergoflen, war sie errungen, die langentbehrte Einheit des deutschen Vaterlandes, unter Wiedererrichtung des Kaiserthums. Vergessen war, was ehemals zersplitternd gewirkt hatte; gefallen waren die Schranken zwischen den einzelnen deutschen Ländern; ein einig Volk von Brüdern jubelte!dem Kaiser zu, der ihm Frieden, Freiheit und Wohlfahrt verhieß. Mitten im Winter war ein neuer Völkerfrühling angebrochen und milder Sonnenschein schien die dräuenden Wolken auf immer verdrängt zu haben. Wohl sind in dem Vierteljahrhundert, welches seit dem Tage der Kaiserproklamation vergangen ist, manche neue Wirrnisse und Trübungen entstanden. Wohl haben die widerstreitenden Interessen zu vielen inneren Kümpfen geführt, deren Abschluß zunächst noch nicht zu erhoffen ist. Hoch über dem Streit des Tages glänzt aber fort und fort die deutsche Kaiserkrone, das Symbol der Einheit aller deutschen Stämme, die Bürgschaft der gesetzmäßigen Gleichberechtigung aller deutschen Staatsbürger, der kostbare Preis, für welchen Deutsche aller Bekenntnisse auf den fränkischen Schlachtfeldern gekämpft und gerungen haben! Die Mahnung des Fürsten Bismarck: „Bewahren Sie sich die Freude am Reiche!" sollte deshalb gerade in der jetzigen Zeit besonders in den Herzen'der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens wiedertönen, denen diese Freude durch Bestrebungen

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