Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Wissenschaftlicher Antisemitismus
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 17 (sequence 17)
- Language
- German
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lviffenschafllicher Anlisemiüsmns. 17 Gebiete der Technik, sei es in der Erörterung und Erforschung jener abstrakten Fragen, die Deutschland den unbestrittenen Ruhm eingebracht haben, das Volk der Denker und Philosophen zu sein. Und wie in der hellenischen Blüthezeit, dem Perikleischen Zeitalter, die Vermehrung des materiellen Wohlstandes gleichen Schritt hielt mit der geistigen Entwickelung, so ist auch der Reichthum unserer Stadt in den letzten Jahrzehnten in auffallender Weise gestiegen. Durch die liberale und tolerante Bürgerschaft vielfach in die Kommunal-Vcrwaltung gewählt, nehmen die Juden in erfolgreicher Weise Antheil an der Verwaltung der Stadt. Zahllose große Unternehmungen sind durch sie in's Leben gerufen, ein großer Theil der prächtigen Neustadt Berlins ist aus ihre Initiative gebaut. Sie haben mächtig dazu beigetragen, Berlin zu einem der ersten Industrie- und Handelsplätze der Welt zu machen. Mit derselben Energie greifen sie in die geistigen Bewegungen ihrer Vaterstadt ein. Auf jedem Gebiete der Fachwissenschaften, in der Medizin, Nechtslehre, in den Noturwissenschaften wie in der Philosophie haben sie Hervorragendes geleistet; in der schönen Literatur, den bildenden Künsten, in der Musik, auf dem Theater, in der Presse, im politischen Leben, überall nehmen sie lebhaften und erfolgreichen Antheil an den Bestrebungen ihrer Mitbürger. Doch ist eü insbesondere ein Gebiet, auf das sich die Thätigkcit der Juden zu konzentriren scheint, es ist das der umfassendsten, systematischen Wohlthätigkeit, die vielleicht noch mehr als ihre Religion die Zerstreuten des Volkes zusammenhält. Einzelne Juden haben, begünstigt durch den beinahe beispiellosen Aufschwung des Handels und aller Industrie und theilweise auch durch den Umstand, daß sie durch die Intoleranz vergangener Zeilen speziell auf das kommerzielle Gebiet gedrängt wurden, einen verhältnißmäßig größeren Antheil des allgemein vermehrten Reichthums erworben, und hierin liegt wohl die wesentliche, wenn auch nicht die einzige Ursache des Antisemitismus. Aber sie haben im Ganzen keinen unwürdigen Gebrauch von ihrem erworbenen Wohlstände gemacht. Weder Professor Paulsen noch auch nur ein nennenSwerlher Bruchtheil der christlichen Bevölkerung wissen, in wie großartiger Weise die Juden nicht allein den Armen ihres Glaubens beistehen, nein, wie ohne jede Rücksicht auf