Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Wissenschaftlicher Antisemitismus
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 16 (sequence 16)
- Language
- German
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16 Im deutschen Reich. blichenen Ruhm seiner Vergangenheit vielleicht daran denken, daß die Vertreibung der Mauren und die der Juden dem Lande alles Andere, nur kein Glück und keine Zufriedenheit brachte. Der jüdische Einfluß steigt mit der entwickelteren Kultur der Völker und erreicht seine Höhe in Deutschland, Frankreich, England und Italien. In Deutschland macht er sich in hervorragender Weise in Berlin, am wenigsten im Königreich Sachsen geltend. Es ist nicht recht ersichtlich, weshalb die Städte dieses Königreichs zu Hochburgen des Antisemitismus geworden sind. Die jüdische Bevölkerung ist so verschwindend klein (auf 3'/z Mill. Einwohner kaum ca. 8000 Juden) und durch den gehässtgsten Antisemitismus so zurückgedrängt, daß man denken sollte, diese Bewegung würde eigentlich aus Mangel an Nahrung aussterben. Unter diesen Umständen sollte doch wenigstens Sachsen mit seiner beinahe rein arischen und christlichen Bevölkerung das Eldorado Europas sein! Aber auch hier ist leider nicht das gelobte Land. Kaum ein anderes ist wie dieses von den extremen Parteien beherrscht; kein Theil des Deutschen Reiches, kein Land in Europa zeigt eine solche Macht und ein so auffallendes Wachsen der sozialdemokratischen Partei, — diesen besten Barometer für die Unzufriedenheit der breiten Schichten der Bevölkerung — wie gerade Sachsen. Dian hat nicht umsonst das Gift des Antiseiuitismus in diesen Boden gepflanzt, er trügt die Früchte, die man gesät. In Berlin ist die Wiege des Antisemitismus, aber gerade hier findet derselbe auch den kräftigsten und erfolgreichsten Widerstand. Der außerordentliche Aufschwung Berlins erregt die Bewunderung der Welt. Die musterhafte Verwaltung, die hygienischen Anstalten und Einrichtungen, die die Sterblichkeit in den letzten 30 Jahren um 30 Prozent vermindert und Deutschlands Hauptstadt zu einer der gesündesten Städte der Welt gemacht haben; die umfassendsten Maßregeln zur Linderung und Hebung offener und verschämter Armuth; die unvergleichliche Sorge uni die Erziehung der Jugend machen Berlin zum Vorbild der Städte und Staaten. Nirgends pulsirt das intellektuelle Leben kräftiger. In unzähligen Vereinen und (Gesellschaften werden Wissenschaften und Künste gepflegt. Nicht nur Studenten und Gelehrte, nein, das ganze Volk nimmt lebhaftesten Antheil an allen Errungenschaften und Aufgaben des menschlichen Geistes, sei es auf dem