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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 14

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Wissenschaftlicher Antisemitismus
Date
1896-01-01
Page
14 (sequence 14)
Language
German
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14 3m deutschen Reich. mit Anderen zu Tische zu sitzen, oder in der Schule am Sonnabend die Feder anzurühren, sich selber auöschließe rc." Nun, ich bin überzeugt, daß, wie ich, sehr viele meiner Glaubensgenossen es sich zum Vergnügen anrcchnen würden, irgendwo mit dem Professor zu Tische zu sitzen und zu speisen, und ich glaube kaum, daß, wenn er am Sonnabend sein Kolleg liest, irgend einer seiner jüdischen Zuhörer Bedenken trägt, die Feder anzurühren, um die Worte der Weisheit aufzuzeichnen. Wollte man auch zugeben, daß manche Formen bei den Juden abgestreift werden können,. so hätte der Professor doch nicht ganz vergessen sollen, daß man Dankbarkeit einer Religion schuldig ist, deren Gebete und Gesänge noch heute nicht allein in den Kirchen und Palästen, sondern am innigsten vielleicht in ben Hütten der Aermsten und Leidenden widerhallen, daß die Tröstungen Israels Millionen und abermals Millionen den einzigen Trost in ihrem Kummer gegeben; er hätte sich vielleicht daran erinnern können, daß es ohne Israel keinen reinen Glauben, keine wahre Gotteserkenntniß und keine Erlösung gegeben hätte. Wenn die Juden auch noch heute nicht an die ewige Verdammniß, an die Seligmachung durch den Glauben und an die Göttlichkeit Jesu glauben, so hat das mit dem Wesen aller Religionen, mit der Sittlichkeit, dem guten Handeln und den Verpflichtungen der gegenseitigen Menschenliebe nichts zu thun. In allen diesen Beziehungen stehen die Juden auf dem Boden des Neuen Testaments, das wie das Alte nur den Geist ihres eigenen Volkes wiedergiebt. Ich komme nun zur Frage, die, obgleich von wesentlicher Wichtigkeit, von Professor Paulsen unberührt gelassen ist: „Hat das Judenthum oder haben die Juden günstig oder ungünstig auf die sie umgebenden Nationen eingewirkt?" Ich spreche nicht von der entfernteren Vergangenheit. Der Geist des Judenthums durchzieht seit dem Beginn der christlichen Aera die civilisirte und halb civilisirte Welt. Wir Alle stehen auf dem Boden seiner Gesetze und seiner Ethik. Die 10 Gebote, die Bestimmungen über Ehe und Familienleben, das Gebot der Liebe und des Mitleids mit Menschen und Thieren, die Hinstellung aller Pflichten, um mit Kant zu reden, als göttlicher Gebote, der Hinweis auf die Ewigkeit unseres Seins, das ist das unschätzbare Vermächtniß der

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