Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Wissenschaftlicher Antisemitismus
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 13 (sequence 13)
- Language
- German
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wissenschaftlicher Antisemitismus. 18 er demoralifirt die Menschheit, denn Mißgunst, Neid und Habsucht sind die einzigen Beweggründe seiner Handlungm. Sind denn die Völker so blind, daß sie einer Richtung huldigen können, deren Berechtigung zur Existenz einzig und allein darin liegt, in Verletzung aller Gerechtigkeit und Liebe Verderben über ein ganzes Volk zu bringen? Sehen sie nicht, daß selbst, wenn gegen alle Erwartungen der Antisemitismus sein vorgestecktes Ziel erreichen könnte, die Wunde, die er dem eigenen Lande schlagen würde, schwerer zu heilen wäre, als die, welche man dm Vertriebenen zugefügt? Unrecht thun ist ärger, als Unrecht leiden. Freveln die Juden gegen das Gesetz, so bestrafe man sie dementsprechend; sind die Gesetze nicht ausreichend, so verschärfe man sie, aber man übe Gerechtigkeit und mache nicht ein Volk für die Vergehen einzelner Individuen verantwortlich. Will man aber, wie der Antisemitismus cs thut, die Konkurrenz der Juden im Dienste der Menschheit vernichten, so bedenke man, daß Kain, als er die Konkurrenz um die Liebe Gottes vemichten wollte, zum Brudermörder wurde! Wenn den Kindern Religion auf den Schulen gelehrt wird, so mache man sie zuerst darauf aufmerksam, daß cs niedrig, daß es unwürdig und verachtenSwerth ist, auf die Mitschüler herabzusehen, und halte jene Prinzipien allgemeiner Menschenliebe aufrecht, ohne die jede Religion eine Posse, eine Blasphemie ist. Man belehre die Kinder, daß in der Brust eines jeden Menschen die Gottheit lebt, und daß der einzige Frevel gegen dieselbe im Frevel gegen die Mitmenschen besteht. — Doch kehren wir zu Profesior Paulsen zurück. Er hat zwei Einrichtungen, die zum wesentlichen Theile auf Hygiene zurückzuführen sind, die aber weder zum Wesen der jüdischen Religion gehören, noch irgendwie störend auf die Beziehungen zu anderen Völkem einwirken, herausgesucht und zum Ziel seiner Angriffe gemacht. Es ist kaum der Mühe werth, sich hierbei aufzuhalten; ich gebe auch gern zu, daß eine Reihe von Gebräuchen und Gewohnheiten veraltet ist. Ein großer Theil dieser Formen ist bereits aufgegeben. Der Verfaffer muß ein wenigstens 50 Jahre altes Buch irgendwo gelesen haben, er könnte sonst wirklich nicht schreiben, daß, „wer von Religionswegen gehindert sei.