Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Wissenschaftlicher Antisemitismus
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Im deutsche» Reich. Ferdinand'- und Jsabellä's sie in alle Welt zerstreute. Und es ist bekannt, daß trotz dieses Edikts, dessen Folgen wie ein Fluch auf Spanien lasteten. Tausende von Juden ungeachtet der drohendsten Lebensgefahr in dem Lande blieben, mit dem sie nicht allein materiell, sondern auch seelisch verknüpft waren. Aber ich brauche nicht jener fernen Zeiten zu gedenken; ich erinnere daran, daß während der großen Kriege die Juden in Deutschland und in Frankreich Gut und Blut bei jeder Gelegenheit ebenso freudig für ihr Vaterland zum Opfer brachten wie ihre christlichen Mitbürger. Das ist nie bestritten worden, und selbst die heftigsten Angriffe der Antisemiten verstummen hier. Und ist jener barbarische Ukas nicht noch in unser Aller Angedenken, der Hunderttausende schuldloser Nuffen in die Verbannung, in Nöth und Elend treiben sollte? Wenn, wie wir Alle glauben, auf dem Throne des Allmächtigen Liebe und Gerechtigkeit ihren Wohnsitz haben, so muß dieser Ukas zum Himmel schreien. Aber die Juden schüttelten, nicht, um des Verfaffers Worte zu gebrauchen, die russische Erde von den Füßen; trotz der elenden Behandlung, die sie seit Jahrhunderten in jenem Lande fanden, hing ihr ganzes Herz an demselben. Die großartige, hochherzige Hülfe, die ihnen von ihren Glaubensgenoffen entgegengebracht wurde, konnte sie kaum bewegen, die oft so jammervolle Scholle zu verlassen, auf der sie mit Mühe und Noch ihr Leben fristeten. Es wird nun weiter behauptet, daß die Absonderung von den Völkern, den „Heiden", der Alles durchdringende Mittelpunkt der jüdischen Religion wäre. Wie wenig kennt und beherrscht Profeffor Paulsen den Gegenstand seiner Betrachtungen! Wie wenig ist er vertraut mit der Stimmung des jüdischen Volkes, wie sie sich in den Vereinen, in den Zeitungen, in den Synagogen, in den politischen und ethischen Bestrebungen desselben klar genug ausdrückt. Es gab allerdings eine Zeit, wo sich die Kinder Israel von den entmenschten und entarteten Nationen, die sie umgaben, abfondern mußten. Um sich von den widernatürlichen Ausartungen, denen sich auch die gebildeten Nationen des Alterthums nicht entzogen, rein zu halten, mußte das Volk des Ewigen sich fern halten von dem Verkehr mit denselben. Diese Absonderung war