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Im deutschen Reich · 1896-01-01 · Heft 1 (Januar 1896) · p. 5

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 1 (Januar 1896)
Article
Wissenschaftlicher Antisemitismus
Date
1896-01-01
Page
5 (sequence 5)
Language
German
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wissenschaftlicher Antisemitismus. 5 es auch unmöglich wäre, sie in den allgemeinen staatsbürgerlichen Rechten zu verkürzen. Man hat wohl auch im Laufe der Geschichte kaum gesehen, und ich verweise hier nur auf Spanien, daß der Vertreibung der Juden irgend wo glücklichere Zustände gefolgt wären, während andererseits mit ihrer Zurückberufung unter Cromwell die Größe und Blüthe Englands anfing. Ausführlich benennt nun Profeffor Paulsen im Laufe seiner Betrachtungen die schlechten Eigenschaften, die in den Augen Vieler den Typus des heutigen Juden ausmachen, und setzt dann großmüthig hinzu, daß es viele Juden gebe, die gar nicht so wären, daß manche gute Eigenschaften zur Kompensation, manche bittere Erfahrungen zur Entschuldigung dienen. War es aber nicht — ich wiederhole es — vor allen Dingen die Pflicht des Verfassers, bevor er so niederschmetternde Vorwürfe in die Welt schleuderte, zu erforschen, ob und in wie weit sie gerechtfertigt wären? Nach Hörensagen verdammt man auch habituelle Verbrecher nicht, und noch gehören die Juden nicht in diese Kategorie. Denn ein Volk, das so demoralisirt wäre, hätte längst schon aufgehört zu existiren, und der Lebensfähigkeit des israelitischen Volkes müssen große moralische Eigenschaften zu Grunde liegen. Die erste Ursache, die der Herr Professor für die den Juden abgeneigte Stimmung findet, liegt angeblich in der instinktiven Empfindung der Völker, daß der Jude seine und seiner Familie Zukunft nicht ebenso unlöslich mit der Zukunft des Staates und Volkes, unter dem er lebt, verknüpft sieht, als es andere Staatsbürger thun. Ist das wahr? Ist dieser Vorwurf irgend wie begründet? Ergiebt sich nicht gerade das Gegentheil dieser Behauptung für den unparteiischen Beobachter? Ich brauche nicht an jene goldene Zeit der maurischen Herrschaft in Spanien zu erinnern, wo die Juden, menschlich behandelt, in hervorragender Weise theilnahmen an der Pflege aller Wissenschaften und geistigen Kultur, deren Licht späterhin durch die Finsterniß des Mittelalters drang. Draper in seiner Geschichte der europäischen Civilisation bezeichnet gerade die Juden Spaniens als die hervorragendsten Verbreiter arabischer Kultur zu der Zeit, da das grausame Edikt

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