Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Wissenschaftlicher Antisemitismus
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 7 (sequence 7)
- Language
- German
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wissenschaftlicher Antisemitismus. 7 im Interesse nicht Israels allein, sondern vor allen Dingen der Menschheit geboten. Dadurch nur konnten der Welt der reinste Gottesglaube und die unvergänglichen Prinzipien jener allumfassenden Liebe und Versöhnung gegeben werden, von denen Rom und Griechenland nichts wußten und von der auch der uns schmähende Professor sein Seelenheil hofft. Auch damals sonderten sich die Juden ab, als man sie im Namen der Religion der Liebe, im Namen jener Religion, die der Genius und das Herz Israels geschaffen, den Thieren gleich in das Ghetto brachte; aber diese Absonderung war wahrhaftig keine freiwillige und kein unparteiisch Denkender wird sie zu einem Vorwurf für die Juden machen. Aber jene Absonderung besteht nicht mehr, seit die großen Denker Frankreichs zuerst gegen das unerträglich gewordene Joch priesterlicher-Tyrannei und feudaler Mißwirthschaft, diese beständigen Geißeln der Welt, ihren Protest einlegten, da Rousseau, Voltaire und Diderot jene Fackel anzündeten, in deren Glanz die Völker Europas die Verkommenheit damaliger Herrscher sehen sollten. Die Juden haben keinen höheren Wunsch, als ganz und voll theilzunehmen an den politischen und sittlichen Bestrebungen ihrer christlichen Mitbürger, mit ihnen zu streben nach jenen Idealen der Liebe und des Friedens, von denen die Welt, durch die Ausgeburten dieses Jahrhunderts, den Chauvinisnius und den Militarismus, in feindliche Lager getheilt und gesondert, weiter als je entfernt zu sein scheint. Professor Paulsen wirft ferner den Juden ein unsicheres, unterwürfiges, kriechendes und andererseits sich aufdrängendes, rechthaberisches und wohl auch protzenhaftcs Wesen vor. Es mag sicher auch unter den Parvenüs, die das schnelle Herauskommen des Volkes an den Tag brachte, eine Anzahl solcher Individuen geben, und vielleicht waren es unglücklicher Weise gerade solche, die Prof. Paulsen kennen lernte. Unsere Vorfahren waren — ich meine die unmittelbaren — eben auch theilweise Hausirer, und um sich zu ernähren und ihren Familien ihr trauriges Dasein zu erhalten, konnten sie nicht so stolz einherschreiten wie die vollberechtigten Germanen. Sie waren auch theilweise Wucherer, denn man hatte ihnen andere Lebenszweige verkümmert, und die Menschen