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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 325

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1895-12-01
Page
325 (sequence 10)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 385 zahlreichen Glaubensgenossen mit Rathschlägen genützt, namentlich erfolgreich in kleineren Städten gewirkt, wo man sich bisher kaum zu rühren wagte. Als ein Landrathsamt sich bemüßigt gefunden, von den Juden eines ostpreußischen Städtchens Nachweise über ihren Geburtsort, sowie über den ihrer Eltem und Großeltern zu fordern, offenbar, um auf diese Weise Material zur bequemen Ermittelung und Ausweisung ausländischer Juden zu erlangen, sei der Vorstand um Rath angegangen worden. Wenn wir nun auch ein Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sind, meinen wir doch nicht, daß unsere Glaubensgenossen den Behörden ihre Hand dazu bieten sollen, Glaubensgenossen, die nicht Deutsche sind, aus ihrer Existenz und dem Lande zu vertreiben. Wir haben deshalb unfern Glaubensgenossen den Rath ertheilt, direkt zu erklären: „Wir verweigern die Antwort auf solche Fragen." Der Vorsitzende erwähnte dann die sogenannte „hessische Güterschlächterliste", welche bereits als elendes Machwerk öffentlich gebrandmarkt, trotzdem aber wenige Tage vor der Ersatzwahl in Meseritz-Bomst massenhaft verbreitet worden sei. Dies habe den Vorstand veranlaßt, in den Amtsblättern jenes Kreises bezahlte große Inserate zu veröffentlichen, in welchen klargestellt wurde, wie jene Güterschlächterliste von Männern anerkannten Namens bereits beleuchtet worden sei. So wenig der Verein Politik treibe, habe der Vorstand es doch für seine Pflicht erachtet, wo sich der Antisemitismus breit machte, die Glaubensgenossen zum Zusammenstehen gegen denselben, ohne Rücksicht auf ihr eigenes politisches Glaubensbekenntnis, aufzufordern. Nach diesem Prinzip sei in Meseritz-Bomst und in Berlin verfahren worden, während der Verein als eine nichtpolitische Vereinigung von Männern der verschiedensten Parteistellungen sich jeden Eingriffs in die Wahlen enthalte, bei welchen keine Antisemiten in Frage kämen. Es sei gelungen, in dem Rothen Hause, in welchem früher eine ganze Reihe von Mitgliedern der Bürgerpartei gesessen habe, diese bis auf ein Mitglied zu verdrängen. Bei der Wahl des Herrn Pretzel sei der Versuch zum Eingreifen in nicht sehr geschickter Weise gemacht worden, aber bei der letzten Stichwahl habe ein Zirkular, in welchem die jüdischen Mitbürger ersucht wurden, für den liberalen Kandidaten Bergemann zu stimmen, wesentlich dazu beigetragen, daß der ehemalige Obermeister Beutel nicht gewählt wurde. Der Redner berührte noch einen charakteristischen Fall, der sich in Hannover zugetragen hat, wo ein Bankhaus von seinen an zahlreiche Postbeamte versandten Zirkularen zwei aus Quakenbrück mit den Aufschriften zurückerhalten hatte: „Ich mache keine Geschäfte mit Juden" und „Von Juden nehme ich überhaupt nichts an." So wenig sich ein Bankhaus darüber beleidigt fühlen könne, wie sich ein Duodez-Postbeamter in Quakenbrück über seine Zirkulare äußere, habe der Vorstand doch gemeint,

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