Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 319 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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vereinsnachrichten. 819 guten Sache machen wird. Die Gemeinden haben Grund, diesen Wunsch zu erfüllen, denn für sie ist es eine Ehrenpflicht, sich mit in dm Dienst unserer Sache zu stellen. Bisher haben sich die Vorstände der Synagogen- Gemeinden fast nur mit Kultus- und Verwaltungsstagen beschäftigt, für die höhere, wichtigere Abwehrfrage nur geringeres Interesse gezeigt. Die Thätigkeit der Gemeindevorstände sollte sich auch nicht auf liturgische Sachen beschränken; die Gesammtheit der Juden erhofft von ihnen eine Förderung der im edleren Style geführten Abwehr. Eine Zersplitterung der Abwehrbestrebungen durch die bestehenden drei Organisationen sei nicht zu befürchten, ebensowenig eine Verwischung der Grenzen der Thätigkeit derselben. Das Komitee stellt einen geschlossenen Kreis von 25 meist begüterten Personen dar, welche opfersteudig im Stillen wirken, der Central- Verein einen öffentlich wirkenden Verband aller den Schutz ihrer staatsbürgerlichen Rechte anstrebenden deutschen Juden. Diesem Bunde anzugehören ist Pflicht jedes Juden, wie sich die Landwirthe verpflichtet halten, dem Bunde der Landwirthe, die Antisemiten dem deutschen Antisemitenbunde anzugehören. Die mit Glücksgütern Gesegneten thun gut, das Komitee weiter zu unterstützen, um dem Central-Verein anzugehören, bedarf es nur eines kleineren Opfers, eines Jahresbeitrags von 2 Mark! Ich verkenne auch nicht den Werth der gemeinsam mit wohlmeinenden Christen betriebenen Abwehr. Hier aber gilt es, qua Juden, im vollen Lichte der Oeffentlichkeit für die eigene Sache einzustehen. Wie nöthig dies ist, wurde oft genug gesagt. Große Wahrheiten müssen aber bekanntlich sehr oft wiederholt werden, ehe sie zünden! Nachdem der Vorsitzende, Herr vr. Horwitz, eine Anfrage des Herrn Rechtsanwalt Zuckermann - Forst bezüglich des dem Komitee ertheilten Mandats beantwortet und Herr Dr. Freund-Czarnikau die Nothwendigkeit betont hatte, den kleineren Gemeinden eine Direktive zu ertheilen, wie sie für die Zwecke des Vereins zu wirken hätten, gab Herr Stadtrath Aronsohn-Bromberg Bedenken gegen den korporativen Beitritt der Gemeinden, bezw. der Vorstände jüdischer Gemeinden kund, weil man unter Umständen den Central-Verein für einen politischen Verein halten könne und die Vorstände sich davor hüten müßten, politische Momente in ihre Verwaltungen hineinzubringen. Sodann erklärte .Herr Sanitätsrath Dr. Wiesenthal, er sei von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der größten in Deutschland, delegirt worden, um das lebhafte Interesse derselben für den Central-Verein zu bekunden, dem er selbst von der Begründung des Vereins an als Mitglied angehöre und dem alle deutsche Juden angehören sollten. Der Central-Verein sei noch weniger eine politische Vereinigung wie das katholische Centrum, in welchem streng konservative und ultraradikale Männer einmüthig zusammenstehen, wenn Dinge