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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 318

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1895-12-01
Page
318 (sequence 3)
Language
German
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818 Im deutschen Reich. reichen Stellen nicht gern gesehen sei. Mit dem 16 Jahre hindurch bewahrten geduldigen Schweigen sei es aber immer schlimmer geworden. Im Privatleben wehre sich Jeder seiner Haut und wir als Juden sollten dazu schweigen, wenn man unsere heiligsten Güter in den Schmutz ziehe? Unser Verein verzichte darauf, Leisetreter für sich zu gewinnen. Die große Masse unserer Glaubensgenossen denke und fühle wie wir, dessen sei die heutige Versammlung Zeuge, dafür bürge auch die große Zahl der Zustimmungen zahlreicher Gemeinden, welche die Versammlung nicht beschicken konnten, sich aber im Voraus schriftlich mit unserem Vorgehen einverstanden erklärt hätten. Die Sammlung aller Glaubensgenossen zur Abwehr sei unsere Sache; sie sei ein besonderer Segen für kleine Gemeinden, für vereinzelt wohnende Juden, die bisher jeder antisemitischen Unbill preisgegeben waren. Wir wollen eine Sammelstelle für die Wünsche unserer Glaubensgenossen darftellen, so weit diese Wünsche sich auf ihre staatsbürgerlichen Rechte beziehen. Wie wir dies in den einzelnen Bezirken anzufangen haben, das wissen wir nicht, das wollen wir von Ihnen hören. Ertheilen Sie uns in Bezug auf das Vorgehen im Einzelnen Ihren Rath, geben Sie uns Ihre Wünsche kund! — Zunächst erhielt Herr Rechtsanwalt Breslauer - Rawitsch das Wort, welcher für kleinere Gemeinden die Verbreitung eines gedrängten, leicht faßlichen Programms in Form eines Flugblattes wünschte und die Bestellung eines Vertrauensmannes in jeder Gemeinde empfahl. Herr Rabbiner Dr. O. Baehr-Prenzlau erbat Auskunft über den Unterschied zwischen der Thätigkeit des Central-Vereins und derjenigen des Komitees zur Abwehr. Auf die erstere Anregung bemerkte der stellvertretende Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. Fuchs, mit dem Hinweis auf die Unmöglichkeit, durch ein leicht zu einer Anhäufung von Phrasen sich gestaltendes Flugblatt die Gemüther für die Vereinszwecke zu erwärmen. Was der Verein wolle, erschöpfe sich in den Worten: Rechtsschutz und Aufklärung. Gegen offenbares Unrecht gebe es nur die Repressalie des Strafantrages, gegen die Lüge die Aufdeckung der Wahrheit. Der Eentral-Verein habe den Korpsgeist geweckt, das Selbstbewußtsein vieler Juden gehoben, den Zug nach Veredelung und Sammlung hervorgerufen. Dabei lasse sich am besten von Mund zu Ohr wirken. Die Gebildeten unter den Juden sollen dafür sorgen, daß wir die Massen hinter uns und für uns bekommen. Noch haben wir nicht Mittel genug, um Wanderredner in die Provinzen zu senden. Bei dem besten Willen sind die Vorstandsmitglieder nicht im Stande, das, was ihr Herz erfüllt, selbst hinauszutragen. Deshalb habe der Vorstand sich an die Gemeindevorstände mit der Bitte gewandt, auf ihre Kosten Vertreter nach Berlin zu senden, um von hier das mitzunehmen, was sie in der Heirnath zu Aposteln der

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