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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 305

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Umschau
Date
1895-12-01
Page
305 (sequence 10)
Language
German
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Umschau. 306 genossen wiederholt erklärt. Die Letzteren haben es der „Staatsbürger- Zeitung" trotzdem übelgenommen, daß sie von Juden Inserate annimmt. Die Herren Michaelis und Volkmann, welche das Geschäft „Christliche Damenkonfektion" in der Jerusalemerstraße leiten, haben sich mehrfach schriftlich bei der Redaktion der „Staatsbürger-Zeitung" darüber beschwert, daß dieselbe Annoncen jüdischer Kaufleute aufnehme, dagegen Reklamen der „Christlichen Damenkonfektion" nicht mehr aufnehmen wolle. Einen dieser Briefe faßte der Redakteur des Inseratentheiles, Schmuck, als einen Drohbrief auf und erklärte mündlich, er werde ihn dem Staatsanwalt übergeben, wenn er nochmals belästigt würde; es fiele ihm im Uebrigen gar nicht ein, Juden-Annoncen zurückzulveisen. Der Steglitzer Reformverein beschäftigte sich hierauf mit der Angelegenheit und veranstaltete in der „Tonhalle" eine Versammlung, in welcher das lediglich durch Geldinteresse veranlaßte „unerhörte Verfahren" der betreffenden Redaktion scharf gegeißelt und trotz der Vertheidigungsreden der anwesenden Redakteure eine in diesem Sinne gehaltene Resolution angenommen wurde. Vielleicht dient dieser Zwischenfall dazu, day die betreffenden jüdischen Inserenten ihrer lieben „Staatsbürger-Zeitung" von nun an ähnliche Unannehmlichkeiten ersparen. Bei einzelnen derselben, welche nur aus Gedankenlosigkeit dieses Blatt unterstützt hatten, bedurfte es nur einer einfachen Abmahnung von befreundeter Seite, um von ihnen das Versprechen zu erlangen, dieses Blatt von nun an der „christlichen Damenkonfektion" zu überlassen und nur in solchen Blättern zu inseriren, welche den schwerverständlichen Zusammenhang zwischen Religion und Schneiderei unberührt lassen. Selbst davon sollten Juden ablassen, sei es aus Neugierde, sei es aus übergroßer Empfindlichkeit gegen antisemitische Angriffe, judenfeindliche Blätter in den Zeitungskiosken zu kaufen und in den Buchhandlungen Bestellungen auf antisemitische Flugschriften zu ertheilen. Damit wird einer Bewegung nur Vorschub geleistet, für welche ein Theil der christlichen Bevölkerung schon alles Interesse verloren hat. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens müssen in den jetzigen schweren Zeiten das Wort Mirza-Schaffy's beherzigen: „Teilnahmsvoll erschließe Herz und Sinn, daß Du freundlich Anderen Dich verbindest, doch nur da gieb ganz Dich hin, wo Du ganz Dich wiederfindest!" Ter sensationelle Mordprozeß Sänke, welcher mit der Verurtheilung der Prostituirtcn Elise Sänke wegen Todtschlags eines jüdischen Arztes zu drei Jahren Gesängniß endete, hat der „Deutschen Tageszeitung" Anlaß zu einem an das deutsche Volk gerichteten Weckruf gegeben, in dem treffend gesagt wird: „. . . Das ist das Volk, das einst seiner Keuschheit und Reinheit sich rühmen konnte! Besser wird's nicht werden

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