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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 301

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Umschau
Date
1895-12-01
Page
301 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 301 ihm nichts Anderes übrig, als schon vordem 1. Januar 1896 von der Leitung der beiden erwähnten Blätter zurückzutreten. Aus entgegengesetzten Gründen ist der Reichstagsabgeordnete Dr. Böcke! aus der Redaktion des „Deutschen Volks-Rechts" ausgetreten, welches, von Ahlwardt gegründet und setzt von Herrn Bodeck, dem „antisemitischen Gastwirth mit dem echt hebräischen Namen", geleitete Organ seine Existenz nur noch als Wochenblatt fortfriften kann. Einen anderen Redakteur seines Blattes Namens Josef Czerny hat Bodeck, wie er selbst berichtet, mit der Hundepeitsche hinausgejagt. In solchen „Czerny'schen Etüden" - liegt antisemitische Musik. Dr. Böckel hatte sich geweigert, eine ihm von Emil Bodeck vorgelegte Erklärung zu unterzeichnen, daß er nach wie vor aus dem Boden des Rassen-Antisemitismus stehe. Wie das „Neue Münchener Tageblatt" berichtet, soll Dr. Böckel kürzlich in einem in München gehaltenen Vortrage folgenden Gedanken durchgeführt haben: „Nicht die Juden haben die Korruption auf wirthschaftlichem Gebiete erzeugt, sondern lediglich unsere Rechtsschutzgesetzgebung, welche die Juden rücksichtslos für sich ausnützen. Die Grundursache unserer sozialen Hebel liegt keineswegs in den Juden, von denen oft unverständige Hetzer sagen: „Die Juden sind unser Unglück," sondern in dem Mangel an einem echt volksthümlichen deutschen Rechte." Während Dr. Lange und Dr. Böckel zunächst in den Hintergrund treten, ist gegründete Aussicht auf eine baldige Wiederkehr Ahlwardt's aus Amerika, wo der „Rektor aller Deutschen" die erhofften Erfolge nicht zu erzielen vermochte. Bei seiner Ankunft in New-Z)ork erklärte er einem Zeitungsberichterftatter, er sei nach Amerika gekommen, um eine Vereinigung der arbeitenden Klassen gegen die Juden herbeizuführen. Wie der „New- 'Iork-Herald" und die £onboner „Times" übereinstimmend berichten, erwies sich dieser Versuch als gänzliches Fiasko. Die gesammte Rew-Aorker Presse machte sich über Ahlwardt lustig. Derselbe kündigte eine Versammlung in der 2000 Personen fassenden „Coopers Union Hall" an; es erschienen aber nur etwa 200 Personen. Man hörte Ahlwardt gar nicht an, zischte ihn aus, stieß ihn und warf nach ihm mit faulen Eiern; schließlich räumten die Polizisten den Saal. Die von Ahlwardt vor der Abfahrt nach Amerika angekündigte Absicht, jenseits des Ozeans bleiben zu wollen, dürfte nach diesem trübseligen Empfänge schwankend geworden sein, zumal das Gerücht, daß er von einem Deutschen aus Milwaukee zu dieser Kunstreise bewogen worden sei, sich als grundlos erwiesen hat. „Thersitcs" kehrt zurück, um wieder im Deutschen Reichstage Heiterkeitserfolge zu erzielen. Als in der ersten Sitzung des Reichstages sein 'Name verlesen wurde, erweckten die Rufe: „Ahlwardt schwimmt!" die fröhlichste Stimmung. Sein durch eine „unaufschiebbare" Reise in's Ausland be-

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