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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 300

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Umschau
Date
1895-12-01
Page
300 (sequence 5)
Language
German
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300 Im deutschen Reich. an das Wort Lesfing's erinnert werden: Das was uns Euch zu Christen macht, das macht Euch uns zu Juden! Die Bemühungen einzelner vornehmer Kreise, Herrn Stöcker zu halten und für die von ihm erst hervorgerufene Bewegung die jetzigen Vertreter des „Pastoren-Sozialismus" büßen zu lasten, werden sich allem Anscheine nach als fruchtlos erweisen. Einige von Herrn Stöcker am 16. d. M. in Liegnitz gethane Aeußemngen veranlaßten die „Nordd. Allg. Ztg." zu der Erklärung, daß dieselben nichts Anderes bedeuten könnten als: die Arbeiter werden aufgefordert, das sozialdemokratische Programm der unter der Bebel-Liebknecht-Singer'schen Führung. stehenden Partei sich vollständig anzueignen, zur Ausführung aber statt der genannten .Herren sich den ehemaligen Hofprediger Stöcker zum leitenden Strategen zu wählen. Das offiziöse Blatt schreibt: „Die kleinen Unterschiede in der äußeren Erscheinung dieser Sekten hervorzuheben, mag für Schulkompendien einigen Werth haben, für den Staat und den Staatsmann ist Nuance und Farbenschiller ihrer Hauptoberfläche völlig belanglos. Ob blutroth oder chamäleonfarbig — Revolution bleibt Revolution. Aber Herr Stöcker will ja nicht den Thron Umstürzen, er will ja nicht die Schlösser der Edelleute anzünden, er will nicht die Geldschränke des besitzenden Bürgerthums plündern. Daß Herr Stöcker alles das persönlich nicht thut, wissen wir natürlich recht wohl. Aber Herr Stöcker reist im Reiche umher und predigt auf den Märkten, in den Bierhäusern, auf den Tanzböden überall, wo das „Volk" zusammenläuft, die Lehre von der „christlich - sozialen Gleichberechtigung" .... Die freikonservative „Post" nennt das Verhalten Stöcker's in Liegnitz „höchst zweideutig" und verlangt eine reinliche Scheidung der Konservativen von den Schwarmgeistern mit Einschluß Stöckers. — Das bisherige Organ des Letzteren „Das Volk" sieht sich gezwungen, seinen Bezugspreis von 1 Mk. auf 2,10 Mk. zu erhöhen und wird dadurch voraussichtlich den größten Theil des Einflusses verlieren, den es bisher zum Nachtheil der Juden auf die breiteren Volksschichten ausübte. In ähnlicher Lage befinden sich die antisemitische „Volksrundschau" und die agrarisch-antisemitische „Deutsche Tageszeitung". Die Persönlichkeiten, welche die politische Richtung der „Täglichen Rundschau" und der „Volksrundschau" zu bestimmen haben, sind endlich zu der Ueberzeugung gekommen, daß ihr Organ weder die Rückkehr zum Wotansdienst, noch das jüngste Arbeitsprogramm des „Deutschbundes" vertreten und ebensowenig den Vertrieb antisemitischer Adreßbücher begünstigen könne. Da der „Bundeswart", .Herr Dr. Lange, sich nicht dazu verstand, den beiden Blättern eine andere und insbesondere in Bezug auf den Antisemitismus maßvollere Richtung zu geben, blieb

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