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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 297

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Umschau
Date
1895-12-01
Page
297 (sequence 2)
Language
German
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Umschau. 297 zu nennen und dann zu behaupten, der Monarch habe nur den dringenden „Wunsch" ausgesprochen, durch die möglichst schnelle Annahme des Bürgerlichen Gesetzbuches ein einheitliches Recht für das Deutsche Reich her gestellt zu sehen, einen Wunsch, den jeder nationalgesinnte Mann hege. Damit. die Absicht zu verknüpfen, den Reichstag mundtodt zu machen und jede Kritik des Entwurfs zum Schweigen zu bringen, sei ein taktlose Unterstellung. Ob es besonders taktvoll ist, ein Kaiserwort zu drehen und zu deuteln, mag uneröriert bleiben. Seltsam berührt es jedenfalls, wenn der wegen Majestätsbeleidigung zu 3 Monaten Festungshaft verurtheilte antisemitische Redakteur Sedlatzek in seinem „Deutschen General-Anzeiger" unter der Überschrift „Die gegenwärtige Stimmung des Kaisers" einen Bericht aus Breslau bringt, in welchem es heißt: „Der eigenthümliche Eindruck wurde noch verstärkt durch die Rede, in welcher sich die tiefe Verstimmung des Kaisers über den Gang unserer inneren Politik offen kund gab." Die zuerst von der „Deutschen Lehrerzeitung" verbreitete Nachricht, daß der Hofprediger a. D. Stöcker gegen die Redaktion des „Kladderadatsch" wegen des ihn beschimpfenden Leitgedichts Klage erhoben habe, hat sich ebenso wenig bestätigt, als die Meldung des „Reichsboten", daß deshalb von amtlicher Seite Klage gegen die Redaktion erhoben worden sei. Die von der „Hannoverschen Post" aufgestellte, völlig unzutreffende Behauptung, daß die Redakteure des genannten Witzblattes größtentheils Juden seien, konnte die Wirkung jener Kundgebung kaum abschwächen. Weit mehr wohl kam es dem Angegriffenen zu Statten, daß einflußreiche Kreise sich rastlos bemühten, ihm. beizustehen, daß z. B. eine in Hamm veranstaltete Versammlung des Provinzialvorstandes und der Vertrauensmänner der konservativen Partei Westfalens eine Vertrauenskundgebung für ihn beschloß, daß in den letzten Novembertagen in Lüneburg und Lübbecke, wo er persönlich erschien, ihm von konservativer Seite allerhand Ovationen gewidmet wurden. Immerhin scheint es doch auch in dieser Partei zahlreiche Politiker zu geben, welche, wie die „Schles. Ztg." berichtet, seine Entfernung aus dem Parteivorstand als wünschenswerth erachten. Dies war wohl auch die Ursache, daß, auf den Antrag des Parteivorftandes der' Rheinprovinz, durch eine öffentliche Erklärung die untrennbare Zugehörigkeit Stöcker's zur konservativen Partei zu betonen, der geschäftsführende (Elfer-) Ausschuß in seiner Sitzung am 2. Dezember einstimmig beschloß: „daß dem Anträge nicht Folge zu geben sei, da eine Veranlassung zu der geforderten Erklärung nicht vorliege." Offenbar haben auch die ihm von zahlreichen Anhängern zu seinem 60. Geburtstage dargebrachten Huldigungen den klugen ehemaligen Hofprediger über den 21*

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