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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 296

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Umschau
Date
1895-12-01
Page
296 (sequence 1)
Language
German
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sss Umschau. Daß die oft betheuerte regierungsfreundliche Gesinnung der deutschsozialen Reformpartei sich nicht wesentlich von der offenherzigeren radikalen Denkungsweise der Antisemiten vom Schlage Ahlwardt's unterscheidet, ja, daß selbst der auf dem Boden des Tivoli-Programms verharrende, vom Antisemitismus angekränkelte Theil der Konservativen kqpm als eine feste Stütze der Reichsregierung betrachtet werden kann, zeigt die Behandlung des Bürgerlichen Gesetzbuchs durch diese Parteien. Daß der Kaiser bei dem Empfange des Reichstagspräsidiums die dringende Bitte ausgesprochen, daß der allen Abgeordneten schon seit längerer Zeit vorliegende Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuchs noch im Laufe dieser Session verabschiedet werden möge, hat den bekannten Führer der deutschsozialen Reformpartei, den Abg. Zimmermann nicht verhindert, das Werk als „undeutsch" und „lasterhaft", insbesondere aber als ein solches zu bezeichnen, welches noch einer gründlichen Durchsicht bedürfe. Noch deutlicher äußerte sich in dem Zimmermann'schen Organ „Deutsche Wacht" Herr Dr. Kordgien-Porteltnicken, welcher von dem Entwurf sagte: „Ist etwa sein allgemeiner Geist ein volksthümlicher? Spiegelt er etwa den alten, guten deutschen Geist wieder? Das gerade Gegentheil ist der Fall. Nach Ansicht sehr bedeutender juristischer Autoritäten wurzelt der ganze Entwurf lediglich im Boden des dem germanischen Geiste fremdartigen römischen Rechtes, welches trotz mancher Vorzüge im Einzelnen uns Deutsche durch seine juristische Kälte und Spitzfindigkeiten abstößt. Man mag immerhin die Gelehrsamkeit, den Scharfsinn und auch den Fleiß der Herren Juristen bewundern, welche seit Anregung der Materie durch den damaligen Zpiritus rector Lasker unterdessen an dem Entwürfe gearbeitet haben — aber eben weil dieser Entwurf der Anregung eines Lasker entstammt und lediglich das Produkt gelehrter Juristen ist, mißtrauen wir ihm schon von vornherein. Möchten daher unsere Herren Reichsboten den ganzen Entwurf vorläufig recht eingehend und sorgfältig prüfen und jeden Versuch, ihn schleunigst durchzudrücken, entschieden zurückweisen." Weil die „Kölnische Ztg.", ebenso wie mehrere Berliner Blätter, auf den auch innerhalb der deutschkonservativen Reichstagsfraktion sich bemerkbar machenden Widerstand gegen die baldige Annahme des großen nationalen Werkes hinwies und dabei die von dem Kaiser ausgesprochene dringende Bitte erwähnte, sieht sich die „Staatsbürger-Ztg." veranlaßt, die Aeußerung der „Köln. Ztg." eine Hetzerei

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