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Im deutschen Reich · 1895-12-01 · Heft 6 (Dezember 1895) · p. 287

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 6 (Dezember 1895)
Article
Leopold Schefer
Date
1895-12-01
Page
287 (sequence 3)
Language
German
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Leopold Schefer. 287 mentars, um Ihren Anspielungen nachzuspüren. So muß ich gestehen, daß mir das Ereigniß dunkel geblieben ist, das Sie zu Ihrer Bulle veranlaßt hat; wer hat jene lügnerische Behauptung bekannt gemacht? Wer hat der Lüge Glauben geschenkt? . . . Wie viele Leser werden sich der Geschichte von denl jungen Studenten entsinnen, der die alte Frau in seinem Fanatismus ermorden wollte, oder, wenn sie sich derselben entsinnen, wie Viele werden glauben, daß Sie gerade darauf anspielen? Zufällig weiß ich aus Ihrem Munde, daß er ein Sohn eines Ihrer Freunde ist; Sie werden aber zugeben, daß der Vergleich unverständlich ist, wenn man das Verglichene nicht kennt und wie köstlich schlagend ist Ihr Vergleich! Sie betrachten, lieber Freund, das Publikum wie einen alten Freund, der auf's halbe Wort versteht; aber es hat gar kein leises Ohr mehr, seit so Viele sprechen und schreien, man muß deutlich und eindringlich mit ihm reden, wenn man nicht überhört, nicht bei Seite geschoben sein will. Das Publikum ist ein vornehmer Herr geworden, es hat keine Zeit und nur der einfachste, schärfste Ausdruck des Gedankens wird sich vernehmbar machen. Aber ich erröthe, daß ich mir herausnehme. Ihnen zu predigen. Ich Ihnen?! Haben Sie mir nicht Alles dies und weit Besieres in Bezug auf die Hausreden auseinandergesetzt? Das Laienbrevier sei Ihnen noch zu poetisch, mache zu viel Umschweif mit der Wahrheit, in die markige Prosa wollten Sie Ihre Gedanken kleiden. Wie bin ich auf diese Prosa begierig! Da Sie mich nun zum Depositar dieser Ihrer Selbstbekenntnisie gemacht haben, so glaube ich mich zu der Bitte befugt, daß Sie von diesem Standpunkt aus noch einmal Ihre Epigramme betrachten möchten. Es sind leuchtende Blitze darunter, Keulenschläge, Nadelstiche, Raketen, das ziemt sich für eine bunte Gesellschaft, aber ein nicht unbeträchtlicher Theil derselben ist unklar, die Spitze verkrümmt, sie setzen Kenntnisse, Anschauungen, Lektüre voraus, die man kaum dem Hundertsten zumuthen darf, und sind nicht reif genug ausgebildet, um all' diese Voraussetzungen entbehrlich zu machen. Und mit Ihren neuesten Epigrammen stellen Sie sich auf den Boden der Gegenwart. Ich bin fest überzeugt, daß es in Ihrer Macht ist, ein Zauberwort zn sprechen, mit dem Sie

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