Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Umschau
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 259 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 269 konservativen Gesinnungen bekennt, ein treuer Oesterreicher und bewußter Katholik ist, der kann nichts gemein haben mit Steiner und Kompagnie." Würden Angehörige dieser Kreise erfahren, wie die Wuthausbrüche der über die neueste Wendung in Wien enttäuschten deutschen Antisemiten klingen, dann würden sie sich noch mehr davon überzeugen, daß ein Freund dieser Herren nicht mehr als „treuer Oesterreicher" gelten kann. Wie sich das Organ Ahlwardt's („Deutsches Volks-Recht" Nr. 214 und 217) über die .Habsburgische Dynastie und das Ministerium Badeni äußert, kann man nicht vollständig wiedergeben, ohne sich selbst strafbar zu machen. Kennzeichnend ist die in dem Artikel „Badeni - Caligula" enthaltene, aller FreundschastsverLräge spottende Aufforderung: „Möchten doch die Deutsch-Oesterreicher sich ermannen in der Erkenntnis;, daß ihnen nur das Heil unter dem'glorreichen Szepter der Hohenzollern erblüht." Warum der „Rektor aller Deutschen" so gegen den erhabenen Verbündeten unseres Kaiserhauses hetzt, ist Demjenigen klar, der die komische Rolle kennt, welche Ahlwardt in bcn ersten Novembertagen in Wien gespielt hat. Er hielt im dortigen christlich-sozialen Arbeiterverein bei der Vorfeier des Lueger'schen Geburtstages eine Rede, die, wenigstens nach seiner eigenen Behauptung, stürmischen Beifall gefunden haben soll. Er reiste aber kurz vor denr zu Ehren Lueger's veranstalteten Bankett schleunigst wieder von Wien nach Dresden ab, weil, nach einer Meldung der „Staatsbürger Ztg.", Prinz Liechtenstein, und die meisten antisemitischen Reichsraths-Abgeordneten, namentlich Dr. Pattai erklärten, am Bankett nicht theilzunehmcn, wenn Ahlwardt anwesend sei. Auch Dr. Lueger hielt sich von Ahlwardt während dessen Wiener Aufenthaltes fern. Nach Berlin zurückgekehrt, bestritt Ahlwardt zwar diese Darstellung, gab aber zu, Prinz Liechtenstein habe privatim seine Mißbilligung darüber ausgesprochen, daß er die christliche Religion beseitigen und durch den altgermanischen Götterkultus ersetzen wolle. Er habe ihm darauf eröffnen lassen, daß er irrig unterrichtet sei. Die „Tägl. Rundschau" berichtete, daß Ahlwardt, der Einladung eines Herrn aus Milwaukee folgend, nach Amerika reisen wolle, um dort in größeren Städten Vorträge zu halten. Thatsächlich ist der „Iudenflinten-Erfinder" am 25. November nach Bremen gereist, um von dort mit dem Dampfer „Spree" nach New-'))ork zu reisen. Tie Amerikaner kennen den Ruf Ahlwardt's hinreichend und werden wohl klug genug sein, ihre Neugierde zu bezähmen, so daß der Impresario, welcher mit dem „Rektor aller Deutschen" in den großen Unionsstüdten ein Geschäft zu machen hofft, sich verrechnen dürfte. Die Herren Dr. Lange und Liebermann von Sonnenburg sind sicher froh, sich eines unbequem gewordenen Genossen zu entledigen. Die schwatzhaften Ehrgeizigen, welche wie Ahlwardt in Berlin und Lueger in Wien aus ihrem