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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 254

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Umschau
Date
1895-11-01
Page
254 (sequence 4)
Language
German
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3m deutschen Ueich. 254 bedenkliche Folgen haben kann. Dieselben Männer, welche die Aufdeckung ihres Treibens als „jüdische Theatermache" bezcichneten und sich damit herauszuhelfen versuchten, faseln neuerdings sogar von einem „jüdischen Einfluß bei Hofe". Der „General-Anzeiger" verdächtigt den .Hofbeamten, welcher die dem Kaiser vorzulegenden Zeitungsausschnitte auSwählt und fügt hinzu: „Durch den Fall Kotze wurde ja erst kürzlich das unheimliche Treiben der am kaiserlichen Hofe „arbeitenden" j ü d i s ch en N e b en reg i eru n g enthüllt, und wenn nun auch der für den Kaiser zurecht geklebte tägliche Zeitungs-Lesestoff von dieser Seite beeinflußt würde, so wäre cs freilich verständlich, warum der Kaiser noch immer von den eigentlichen Wünschen des deutschen Volkes so wenig Kenntnis; erhält." Die Bürgerschaft Berlins hat sich bereits so hinreichend ermann!, daß der Traum der verkappten Umstürzler, das Rothe Haus in derselben Weise zu erstürmen, wie ihre Wiener Gesinnungsgenossen die dortige Gemeinderathsstube, schwerlich jemals in Erfüllung gehen wird. Von den letzthin stattgehabten 44 Stadtverdnetenwahlen sind ^4 Liberale uno 5 Sozialdemokraten gewählt worden. Unter den ersteren befanden sich übrigens die Mitglieder unseres Vorstandes, .Herr Handelsrichter Julius Di irtin Füedländer und Herr Dr. I. Ginsberg. An den ^forderlichen Stichwahlen waren nur 2 sozialdemokratische Kandidaten und nur ein einziger „Bürgerparteiler", der ehemalige Obermeister Beutel, beiheiligt, welcher demnächst bei der Stichwahl unterlag. Zu den volksthümlichsten Berliner Liberalen wird Heinrich Rickert gezählt; aus diesem Grunde erweckte das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seiner parlamentarischen Thätigkeit lebhafte Sympathien und veranlagte dasselbe wohlverdiente Ehrungen des bewährten Volksmannes. Im Jahre 1870. von seinen Danziger Mitbürgern in das preußische Abgeordnetenhaus und 1874 in ben deutschen Reichstag gewühlt, stellte sich .Heinrich Rickert der kulturfeindlichen antisemitischen Bewegung von Anfang an mannhaft entgegen. Als hetlsehender Politiker erkannte er sofort, daß der Antisemitismus den Rückschrittlern als wirksames Kampfmittel nicht nur gegen die Juden, sondern gegen den gesammten Liberalismus dienen würde. Unbekümmert um die Angriffe rücksichtsloser Gegner, begründete er mit Gneist und anderen hochgesinnten Männern zum Schutze der bedrohten verfassungsmäßigen Rechte der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens den „Verein zur Abwehr des Antisemitismus", dem er seine Thätigkeit auch jetzt noch mit rühmenswerther.Hingebung widmet. Solches menschenfreundliches Wirken sollte vorbildlich wirken; leider hat aber der von den Antisemiten ausgeübte Terrorismus viele Wohlgesinnte eingeschüchtert, die sich noch nicht dazu ermannen können, religiöse Fragen von Rechts- und Billigkeitssragen vollständig zu trennen. Und doch ist nur durch solche

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