Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Im Verwaltungswege
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 248 (sequence 3)
- Language
- German
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248 3m deutschen Reich. kennzeichnen. Andererseits hat die deutsche Sprache durch hervorragende jüdische Stilisten, wie Mendelsohn, Heine, Börne, Auerbach u. A. m., schon manche Bereicherung erfahren, wie das deutsche oder sagen wir lieber das universelle Wissen durch den jüdischen Denker Spinoza. Wir denken nicht daran, derlei als einen besonderen Vorzug für das Judenthum als solches in Anspruch zu nehmen; was alle diese Männer geleistet haben, das thaten sie nicht als Zugehörige der semitischen Rasse, sondern als Bürger des Gemeinwesens, als Glieder der fortschrittsfrohen Menschheit! Für den Unterricht in Geschichte nnd Literatur kommt es dem Lehrer jüdischen Glaubens sehr zu Statten, das; sie über viele Dinge ein völlig objektives Urtheil haben, weil bei ihnen die Religion im eigentlichsten Sinne des Wortes Privatsache ist und sie sich als Juden weit vom Gewühle des Tages halten müssen. Dadurch wird ihre Darstellung und Unterweisung niemals ein parteipolitisches, sondern vielmehr ein rein menschliches Gepräge tragen. Gerade das scheint man aber leider in den leitenden Kreisen nicht zu wünschen. Ein jüngster Erlaß des Kultusministers an den Sberkirchenrath bezeugt, daß man trotz des Kreisschulinspektorats „fortdauernd auf die Mitwirkung der Geistlichen an der Schulaufsicht den grüßen Werth legt." Vaterländische Geschichte zu lehren soll der jüdische Lehrer nicht befähigt sein! Die Juden haben so gm wie Andere ihr Blut für das Vaterland vergossen; sie haben 1870/71 mitgekämpft, Verwundete gepflegt und den Siegen und der Einigung Deutschland; zugejubelt — so gut wie Andere. Das war nur ihre Pflicht und ist nicht erstaunlich, denn sie fühlen sich als Deutsche; das Leiden Deutschlands ist ihr Leiden, die Größe ihres Vaterlandes ihre Größe. Sie haben stets ihr Vaterland mit heißer Liebe unisaßt und die meisten Juden thun dies auch heute noch, trotz Allem, was das vergangene Jahrzehnt an unwürdigen Angriffen und offenen Rechtsverletzungen gebracht hat. Wie kommt es nun, daß so einseitige und ungerechte Beschränkungen im Erziehungswesen Eingang finden konnten? Die Triebkräfte der traurigen Erscheinungen, die man unter dem Namen des Antisemitismus zusammengesaßt hat, sind längst von berufener Seite gewürdigt worden. Räthselhait erscheint es aber, daß die zunächst Betheiligtcn sich Alles so-ruhig gefallen lassen, daß nicht