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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 242

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Leopold Schefer
Date
1895-11-01
Page
242 (sequence 4)
Language
German
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242 Im deutschen Reich. was ihm während dieser großen Zeit die Muse erpreßt hat, welch' ein reiches, gedankenschweres Buch! Gleichsam eine Denkmünze müßte es werden, in der das Erlebnis der verflossenen Zeit in Gedanken und Empfindungen ausgeprägt ist, und die geängstigtcn Menschen, die nicht sagen konnten was fie litten, würden begierig danach greifen, und Trost und Erhebung saugen aus dem Liede. — Die Cholera ist hier in Berlin im Ganzen umgänglicher als in der russischen Wildniß; ja die Aerzte hoffen ihr den elementaren Schrecken zu rauben, der ihrer Erscheinung vorausgeht. Es wäre ein Sieg der Civilisation dieß Ungethüm gezähmt zu haben, und er würde uns, als den Grenzhütern des Westens, wohl anstehen. Aber wo sie trifft, ist sie fürchterlich, nicht allein für den Kranken, sondern, selbst im besten Falle, auch für die Umgebung. Denn alle Schrecken und Jubel der Krankheit, die gespannte Furcht, die dämmernde und gekrönte Hoffnung, die sonst Tage, Wochen und Monde auscinanderliegen, drängen sich hier in die Enge weniger Stunden zusammen. Erhalte Ihnen der Himmel die Gesundheit Ihrer Stadt. Gerade in dem Hause, welches ich bewohne, sind bereits sechs Krankheitsfälle vorgekommen und darunter einer meiner nächsten Verwandten erkrankt, der aber durch die schleunigste Hülfe gerettet worden ist. Rechts und links schlägt die Krankheit blitzartig ein. Ich schreibe Ihnen dieß ganz in der Eile, wie in der Schlacht, und fast gemahnt mich's wie Jünot vor Toulon, dem die Kanonenkugel, die dicht neben ihm einschlug, den Sand auf das nasse Papier streute. Ich empfehle mich mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Ihrem Angedenken; denn im Gedächtniß edler Menschen versichert man sich des Lebens. Ihr ergebenster M. Veit. Gerade dieser Stimmungsbericht über die Cholera ist eine gute Ergänzung dessen, was man sonst davon weiß (vgl. Geiger, Berlin II, S. 542). Einstweilen blieben die Beziehungen zwischen Schefer und Veit ziemlich äußerlich und vorwiegend literarisch. 1832 erschien bei Reimer der „Deutsche Musenalmanach", der von Chamisso und G. Schwab herausgegeben wurde, au dem Veit betheiligt war

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