Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Leopold Schefer
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 241 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Leopold Schefer. 241 leicht gestattet, abzuschweifen. Auch die Form ist für den modernen Leser seltsam. Er ist gewohnt, klingende Verskünsteleien zu vernehmen oder, bei den nicht minder beliebten reimlosen Versen, kurze unregelmäßige, in ihrer stoßweis vorgebrachten Manier aufregende Metra zu hören und hat für die regelmäßigen, durch eben diese Regelmäßigkeit ermüdenden Jamben kein Ohr. Im Gegensatz zu diesen tadelnden Bemerkungen, die durch eine Veränderung des ästhetischen Geschmacks hervorgerufen sind, stehen andere, schon früher laut gewordene, die in der Verkennung des Werkes ihren Ursprung haben. Sie gipfeln darin, daß das Buch keine Entwickelung, kein Fortschreiten seines Inhalts zeige Ein solches Urtheil ist eine Verkennung, weil das Buch nicht als ein Ganzes, sondern als eine Sammlung einzelner Weisheitssprüche ausgefaßt und gelesen sein will. Denn in einem Zuge kann und soll es nicht durchgenommen werden. Es müßte in diesem Falle genau so erschöpfend, eyer abschreckend als anziehend wirken, wie ein Gebetbuch. Wie dieses kein Fortschreiten und keine Entwickelung kennt, auf den ersten Seiten denselben Standpunkt einnimmt wie auf den letzten, durchaus ungefüllt ist mit Gebeten gleicher Art, Dank-, Buß- und Bittgebeten, so enthält auch dieses weltliche Erbauungsbuch inhaltlich dieselben, nur in der Fassung veränderten Betrachtungen von Natur- und Menschenleben, Aufrufe zur Bethätigung der Pflicht, der Nächstenliebe, der Naturbegcisterung, der Lebensfreudigkeit. Der Verfasser dieser merkwürdigen Gedichtsammlung, L. Schefer <1784—1862), gehörte schon zu den Mitarbeitern des ersten Veit'fchen Musen-Almanachs. Er war einer der Wenigen, die für ihre Beiträge Honorar empfingen. Er knüpfte schon damals mit dem Herausgeber außer den litterarischen auch persönliche Beziehungen an. Jhni vertrante Veit, nach der Veröffentlichung des zweiten Almanachs (13. September 1831) an, daß aufgeschoben nicht ausgehoben sei. Er schrieb: 13. September 31. Auch Sie hoffen ja bald neues Leben und Regen; sei denn diese Sammlung von Gedichten der Frühlingsschmalben eine, welche dicß neue Regen verkündet. Gott! Was haben wir erlebt und was werden wir alsdann erlebt haben! Wenn Jeder der Beitragenden nur ein Scherflein von dem beisteuert.