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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 236

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Sollen wir obligatorischen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen erstreben?
Date
1895-11-01
Page
236 (sequence 6)
Language
German
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236 Im deutschen Reich. des Alten Testaments, die noch von keiner anderen übertroffen worden ist. auf die einzige Geschichte des Volkes Israel, die Entwickelung des Monotheismus in seiner Mitte, die weit über das Judenthnm hinausgehmde Bedeutung seiner Psalmisten und Propheten, jener Männer, deren Leben und Wirken an ergreifenden und begeisternden Momenten so reich ist. Was man nicht kennt, dafür kann man sich nicht begeistern, und Manchem der Fahnenflüchtigen mag es zum Vorwand und zur Entschuldigung für sich selbst dienen, daß er von dem Glauben seiner Väter nichts weiß, daß er nichts ihm Heiliges ausgiebt. Wollen wir unsere Kinder erzogen wissen nicht zu Gewohnheitsjuden, zu gleichgültigen und theilnahmslosen Gliedern der Gemeinde, wollen wir sie mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele in der Religion der Väter erhalten, so müssen wir ihnen Kemüniß geben von ihrem Wesen und ihrer Geschichte, ihren Helden und ihren Märtyrern. Sollte der Kampf der Makkabäer gegen die Syrer, das Ringen des kleinen Völkleins gegen das weltbeherrschende Rom in dem jugendlichen Herzen nicht dieselbe Begeisterung wecken wie die Namen griechischer und römischer Helden? Weisen wir darauf hin, daß unsere Vorfahren in den Jahrhunderten wiffenschaftlichen Stillstandes die Träger der geistigen Bildung auf allen Gebieten waren, daß, wo ihnen die Bahn freigelassen wurde, sie als Staatsmänner und Gelehrte, als Dichter und Philosophen nicht weniger geleistet haben, als ihre andersgläubigen Mitbürger, daß sie aber auch die schmählichsten Verfolgungen, die unglaublichsten Gewaltthätigkeiten mit unerschütterlicher Treue gegen ihre Religion ertragen, daß sie zu unzähligen Malen Gut und Blut hingegeben haben für das Erbe ihrer Väter — dann werden unsere Kinder mit derselben treuen Liebe ihr Judenthum festhalten und Anfechtungen und Zurücksetzungen, die auch ihnen nicht erspart bleiben werden, ohne Groll und Verbitterung hinnehmen. Aber eine solche Wirkung kann nur erzielt werden, wenn der Religionsunterricht Allen ertheilt und den anderen Unterrichtsgegenständen gleichgestellt wird. Jeder fakultative Unterricht wird von vornherein als weniger wichtig angesehen und ist zum Theil in der That nünderwerthig, schon aus äußeren Gründen. Speziell dieser Unterricht hat — wohl in der Regel — mit so vielen Unzuträglichkeilen und Mißständen 'zu kämpfen, daß der Erfolg

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