Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Antisemitismus - Anarchismus
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 225 (sequence 21)
- Language
- German
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Autiseimtisinus — Anarchismus. 225 dem Buschoff - Prozeß gegenüber das Volk seine eigene Meinung behält; danach aber wird der verurtheilte Buchoff unter allen Umständen als Ritualmörder .betrachtet werden und der freigesprochene Buschoff wird nicht nur diese Ueberzeugung nicht zu erschüttern vermögen, sondern noch dazu dem Ansehen der Justiz einen weiteren furchtbaren Stoß geben," wenn Stöcker im Abgeordnetenhause (am 9. Februar 1892) es verwundert hervorhob, daß so viel „Prozesse wegen jüdischer Morde niedergeschlagen würden, wobei auch niemals der Schuldige sich fände", wenn B. Ark in einer Schrift „Judenmoral und Blutgeheimniß" (zweite Auflage) schließt: „Wir sagen nur, daß man bei Lesung der Akten des Prozesses von Xanten, wie sie in mehreren Zeitungen veröffentlicht worden sind, sich nicht enthalten konnte, auszurufen: O Macht des jüdischen Goldes!" — so ist es wirklich schwer zu sagen, wem es gelungen ist, das Ansehen der deutschen Justiz am meisten in den Schinutz zu ziehen. Und das Heer? Ist es keine Untergrabung der Disziplin, wenn in Göttingen ein Antisemit als Landwehrmann einem jüdischen Unteroffizier den Gehorsam verweigert? Ist es nicht ein noch viel größerer Vorwurf für die Armee als fiir die angefeindeten Juden, wenn in der „Magdeburger Reform" Herr von Schirp behauptet, Juden hätten das eiserne Kreuz bekommen, obwohl sie nie im Feuer gewesen, jüdische Soldaten hätten ein umfangreiches Geschäft mit Uhren, Ringen und Ketten betrieben! Wo dieselben hcrgekommen, wüßte ja ein Jeder! Und das unter den Augen der anderen Soldaten und Vorgesetzten? Und hat je der Versuch einer größeren Diskretion der Armee stattgefunden, als in Ahlwardt's Judenflintenprozeß? Ist es keine Herabwürdigung des Parlaments, eines großen politischen Gutes, wenn z. V. die „Antisemitische Korrespondenz" sagt: „Man weiß zur Genüge, daß dort abhängige, bezahlte Subjekte leider mit mehr Erfolg thätig sind, als die paar Ehrlichen, die der Zufall dazwischen führt. Wer will auswärtige Staaten verhindern, zungengewandte Klopffechter dafür zu bezahlen, daß sie sich von deutschen Tölpeln in's Parlament wählen lasten, um dort in raffinirter Weise englische, französische, russische Interessen zu vertreten", oder wenn ein Ahlwardt dort seine Aktenposte alifführt, oder wenn gesagt wird, „vielleicht erkennen die