Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Antisemitismus - Anarchismus
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 224 (sequence 20)
- Language
- German
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224 Im deutschen Reich. Kaiser ist der Abgott Israels. Ist es nicht unmonarchisch, wenn dir „Deutsche Reform" ostentativ mittheilt, daß ein österreichischer Erzherzog seinen Fleischbedarf von einem Judenschlächter bezieht, daß der deutsche Kaiser sich von einem Juden photographiren lasse; wenn „Das Volk" hinter die Mittheilung einer Dekorirung den Vermerk setzt: X. 2). ist Jude. Auch ein Artikel der „Dresdener Nachrichten" über „die vier Victorien" stellt nicht gerade den Gipfel monarchischen Respekts dar. Das sind erst „die Kleinen von den Meinen!" Was über Kaiser Friedrich, was in dem Buch Wilhelm I. und Alexander III., Verlag Glöß, über unseren jetzigen Kaiser gesagt wird, ist derartig, daß dies aucb nur zu reproduziren mir mein Respekt vor der Institution, der Monarchie verbietet. Vom Scbmutz ist es das Schmutzigste. Und die Staatsverwaltung, das Veamtcuthnm? — Um die angebliche Macht der Juden zu erklären — denn ihre eigene Zahl erscheint doch zu lächerlich gering, um alles Böse in der Welt durchsetzen zu können — mußte eben Alles als unter jüdischenr Einfluß stehend und von ihm verdorben dargestellt werden. Von Bismarck wird gesagt, er sei durch jüdische Reklame groß geworden; von dem mit dem Bleichröderlhum verschwägerten Bismarckthum könne Ersprießliches nicht erwartet werden. Bismarck sei vielleicht sogar jüdischer Abkunft. Die unter Leitung der Rassen-. genossen Bleichröder's stehende Presse werde fortwährend angepeitscht, es hinauszuposauncn in alle Welt, „wie grauß die Daitschen dastehen unter ihrem graußen Bismarck." Es ist erinnerlich, wie Graf Caprivi in den Schmutz gezogen wurde, wie mehr als einMinister sich gegen die Angriffe der Antisemiten verwahren mußte; wie dem ganzen deutschen Beamtenthum vorgeworfen wurde, es sei verjudet, korrumpirt, bestochen. Was ist gegen unsere Justiz und unsere Justizverwaltung nicht Alles geschrieben worden! Unser Recht tauge nichts, sei jüdisch-römisch. Führe man den Entwurf zum bürgerlichen Gesetzbuch wirklich ein, so erfolge der Zusammenbruch der Gesellschaft zehn Jahre früher als schon sonst. Das jetzige jüdische Recht nehme dem Armen und gebe dem Neichen. Was sind nicht aus Anlaß des Xantener Prozesses für unfläthige Angriffe gegen Richter und Justiz geschlendert worden. Wenn z. B. die „Hannoversche Post" schreibt: „Niemand darf sich wundern, wenn auch