Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Antisemitismus - Anarchismus
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 221 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Antisemitismus — Anarchismus. 221 den wir deutsche Juden, den unsere Minorität von Staatsbürgern jüdischen Glauben» durch jene Hetze etwa erlitten hat — nein, ans der höchsten Warte patriotischen BÜrgersinus stehend und die eigenen Schmerzen vergessend, wollen wir klagen, welcher Schaden der öffentlichen Moral durch diese Hetze zugefügt wurde. Wir wollen die Gefahren deutlich machen, die der bürgerlichen Gesammtheit unsere» Vaterlandes von hier aus drohen und unseren Mitbürgern zurufen: „Nachbarn, die ihr gegen den drohenden Anarcbismnö ausziehen wollt. Das hier ist schon praktischer Anarchismus, Dem macht zunächst den Garaus, nicht so sehr um unserer willen — wir haben schon eine Kleinigkeit mehr ausgehalten — als um Eurer selbst willcil, als um unseres gcmeinsanicn, schönen deutschen Vaterlandes willen!" Die Fülle der Vcweise wird so erdrückend, daß cs nicht möglich ist, bei jedem Punkte Alles anznfnhren; cs ist nur möglich zu streife». Es wurde Eingangs bei der Charakteristik des Anarchismus gesagt, daß er, nie rasten könne im Anfeindeu und eine Instanz nach der andern angreife und herabzerre, die für die menschliche Gesellschaft Werth habe. Legen wir diesen Maßstab an den Antisemitismus an und wir werden daffelbc finden. Beginnen wir bei der Religion. Es war klar, daß der Haß gegen die jüdische Religion nicht bei der angeblichen Geheimlehre der Juden stehen bleiben würde; cs dauerte auch gar nicht lange und auch der Juden Gott und das alte Testament wurde als jüdisch abgelehnt. Hier einige Beispiele dafür: Die „Deutsch-sozialen Blätter", offizielles Organ der Deutschsozialen Partei (18b«, Seite *J5) schreiben: „Findet sich noch Jemand, der des naiven Glaubens ist, er könnte uns zu den Geschmacklosigkeiten des alttcstamentlichcn Judcngcistcs znrückführcn und uns von deren Heiligkeit überzeugen?" Paul de Lagarde (Paul Böttcber) spricht höhnisch von dem Gott, „der mit Abraham Kalbsbraten gegessen habe." Mosch spricht von dem Gott Jaweh, der die Verbrecher unentdeckt lasse; Herr R'audh (Rordmaun) nennt den Gott Moseö' eine Person, „wie sie der Jude brauchte, um Geschäfte mit ihm zu machen, mit einem Geschästüpersonal von Engeln." Professor Wahrmund, die Autorität des .Herrn von Wacker- 16