Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Antisemitismus - Anarchismus
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 220 (sequence 16)
- Language
- German
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220 3m deutschen Reich. Kühe, und wie er auf die Antwort: „zehn Morgen Land und eine Kuh", mißbilligend den Kopf schüttelt und sagt: „Schröder, schreiben Sie den Mann auf. Er muß noch zehn Morgen Land und noch eine Kuh haben." Und Schröder schreibt auf. Und wie nun das Bäuerlein fragt, wer denn der Wnndermann fei und wie das zugehcn sollte, antwortet er, er sei Ahlwardt, der die Juden vertreiben wolle, und deshalb solle jener nur anliscinitisch wähle»; daun würdcil die Juden vertrieben ivrrden und dann würde die Bcrtheilung der Wüter stattfinden. Sprach« und nickte und ging weiter guerfeldein, und hinter ihm Schröder, der Adjutant, mit dem großen Notizbuch. — Sie lachen, und man müßte wirklich lachen, wenn es nicht so ernst, so wehmüthig ernst wäre. Jü das Alles kein anarchistisches Verfahren? Die Taktik des Gros der Deutsch-sozialen näherte sich mit der Zeit immer mehr der der antisemitischen Volksuartei. Diese stellte im Prinzip den Eulminationspnukt der antiseiniklschcn Entwickelung dar, den Klasscuhaß. Was sich sonst »och an antisemitischen Parteichen bildete, Deutsche Ncforrnpartei, sozialitärer Bund, Gruppe freiheitlicher oder liberaler Antisemiten 11. A. m., konnte höchstens noch Einzelnes zu ontriren versuchen, etwas prinzipiell Neues konnten sie nicht mehr zu der Hetze hinzufügen, nicht einmal mehr den Beweis liefern, daß, wie die „Kreuz Zeitung" jagte, „die Bewegung zum Theil Leuten in die Hände gefallen fei, die entweder ganz persönliche Zwecke verfolgen, oder doch solche, die mit dem Antisemitismus in keinem inneren Zusammenhang stehen." Den Beweis hatte schon die antisemitische Bolkspartci und die deutsch-soziale vollgültig genug geliefert. Neues konnten sie nicht mehr bringen. Es war ja auch am guter: Alten vollauf genug. — Das war die Entwickelung des speziell gegen die Inden gerichteten Feldzuges und man wird zngcbcn müssen, daß sie in ihres Wesens Art schon gering zeigte, was den Vorwurf des Anarchismus vollarrf rechtfertigt. Dieser Feldzug des Hasses zeigte aber noch ganz arrdcre Seiten und mies Folgen auf, die selbst Solche, denen das Ergehen der Juden an sich im Grunde wohl sehr gleichgültig war, tief erschreckte. Auch ich spreche heute nicht als ein spezieller Anwalt unserer Glaubensgenossen; wir wollen uns ja nicht auf eine Untersuchung -des Separatschadens einlassen.