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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 218

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Antisemitismus - Anarchismus
Date
1895-11-01
Page
218 (sequence 14)
Language
German
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218 3»i deutschen Reich. hatte' mit einer Stärkung der konservativen Richtung, mit einer Schwächung der antikapitalistischen Strömung nichts mehr zu thun, im Gegentheil, führte der letzteren neue Hülsstruppen zu und zwar hauptsächlich auf Kosten des Konservatismus. Liberal war der allergrößte Theil der neu geworbenen antisemitischen Volksparteiler nie gewesen. „Ihr seid in Roth, darbt und quält Euch. Die Juden schwelgen; sie haben das ganze Geld; sie haben es von Euch ergaunert, erwuchert; sie haben eö durch die Ausbeutung Eurer Arbeitskraft ausgehäuft!" Das war die Logik dieser letzten EntwickelungSphase. Und das Programm enthielt im Grunde nur einen Punkt: Vertreibung der Juden und Vertheilung ihrer ihnen zuvor abgenommenenSchätze. Dann würde das goldene Zeitalter hcreinbrechen. Wie hätte da ein Erfolg. der Agitation ausbleiben können'f Dieses Programm ist allenthalben anfangs aufgestellt linb entwickelt werden. Später kam noch mehr hinzu. Davon an anderer Stelle. Wenn ich Ihnen, meine Herren, eine Eonstatirung dieses Programms von konservativer Seite vorlesen will, so geschieht es nicht, weil ich einen Zeugen für das ja ganz bekannte Programm haben will, sondern weil dies Zengniß zugleich charakteristisch ist für den allmählich sehr ähnlich gewordenen Jdeengang des osfiziell konservativen Antisemitismus trotz aller konservativen Anfeindung der antiscniitischcn Vollspartei. In einem konservativen Flugblatt zur Zeit der letzten Kolberg Kösliner Wahl, betitelt: „Wähler des Fürslcnthumcr Wahlkreises," heißt cs: „Die antisemitische Volkopartei hat Euch auch einen Kandidaten empfohlen. Diese Partei will die Juden aus Deutschland hcrausjagcu und ihnen vorher das Geld abnchmrn. Wähler! Diese Forderung ist ungesetzlich und aussichtslos, denn die Majorität des Reichstages, die aus Indenfreunden besteht, würde dieselbe sofort ablehnen. Mit radikalen Mitteln und mit Gemalt ist nichts ausznrichten; man muß allmählich durch gute Gesetze die Macht der Inden brechen!" — „Also nur weil die Majorität des Reichstages die radikalen Forderungen eines Ahlwardt ablehnen würde, sind die Konservativen dagegen", — bemerken mit Recht die Mittheilungen des Gneist-lliickcrt'schcn Vereins — „im Grunde ihrer Seele scheinen sie gegen die Konfiskation jüdischen Vermögens nichts einzuwenden habe»."

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