Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Antisemitismus - Anarchismus
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 209 (sequence 5)
- Language
- German
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Antisemitismus — Arnachismus. L0V verantwortungsvollen Fehler noch einmal. Gegen die gefährlich gewordene Sozialdemokratie wurde der Antisemitismus, den er ebenfalls glaubte beherrschen zu können, ausgespielt. Bismarck hat es später einmal selbst gesagt, er habe die antisemitische Bewegung als ein Ventil gegen die antikapitalistische Strömung der Zeit betrachtet. Also ein Theil des Kapitals, das jüdische, sollte preisgegeben, sollte als angriffswürdig hingestellt werden, in der irrigen Hoffnung, diese kärgliche Ratcnzahlung würde von den entfesselten Wünschen mit einer Vollguittung honorirt werden und der Antikapitalismus würde sich in blindem Eifer in den hingeworfenen Knochen verbeißen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erklärte Anfangs der achtziger Jahre den Antisemitismus für wohl begründet und der Friedrichüruher Moniteur, die „Hamburger Nachrichten", konstatirte noch vor nicht langer Zeit Angriffen Stöcker's gegenüber: „daß die Agitation Stöcker's und seiner Partei durch den früheren Reichskanzler früher niemals gehindert worden sei; im Gegentheil habe derselbe die Wahlerfolge mit Freude gesehen. Wie wäre das auch anders möglich gewesen, da die Stöcker'sche Partei der sozialdemokratischen Partei feindlich gegenüber trat". Es bestand also die Absicht, den unterschiedlosen Antikapitalismus der Sozialdemokratie in seiner bisher einheitlichen Ausdehnung zu zersplittern und damit seine Macht einzudämmen und zwar sollte dies geschehen durch eine antikapitalistische Spezialitäl, die durch giftige Gewürze und Zisthaten für die Instinkte der Massen noch pikanter, schmackhafter, zugkräftiger gemacht werden müßte, als dies schon das bereits Alles versprechende Programm der Sozialdemokratie war. Und das ließ man gewähren, das päppelte man auf und daraus wagte man etwas wirklich Ersprießliches zu hoffen! Und diese Zuthaten zum Klassenhaß waren der Religionshaß und der Rassenhaß. Die Antiseiniten bestreiten es heut zu Tage gern, daß ihre Hetze mit der jüdischen Religion irgend etwas zu thun habe, und für das Gros der verwilderten Antisemiten unserer Tage trifft das auch zu; diese Etappe ist bei ihnen längst überwunden. Aber von Anfang an war es nur der reine Religionskrieg, der von den Christlich-Sozialen, wie sich die erste antisemitische Partei nannte,