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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 208

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Antisemitismus - Anarchismus
Date
1895-11-01
Page
208 (sequence 4)
Language
German
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208 3m deutschen Reich. offener Rohheit, mit Bosheit und Hinterlist, mit Umwerthung aller Moral, Aufreizung zur Propaganda der That, und schließlich diese herrliche Propaganda der That selbst mit der Bombe im Wappen, — das sind die Kampfesmlttel des Anarchismus! Meine Herren! Sie werden diese Tendenzen, Sie werden diese Mittel alle ohne Ausnahme, auch die Bombe schon, bei unserer Rundreise um den Antisemitismus wiederfinden. Und noeli ein drittes Charakteristikum zeigt der Anarchismus in seiner Entwickelung. Wenn nichts mehr anzugreife» ist, wenn die radikale Wnth nichts mehr zum Zerfehen findet, dann wendet sie sich, die nnthätig nicht bleiben kann, gegen sich selbst. In den eigenen Reihen der bisher als gleichgesinnt Anerkannten, sieht der Anarchist mißtrauisch plötzlich Anhänger der angefeindeten Gesellschaft, sicht er Gegner, Verrüther, und er hat es schwer, zu sagen, wen er außer sich noch für einen unverfälschten Parteigenossen halten könnte. Auch dieses tragikomische Schauspiel, das Satprspiel zur häßlichen Tragödie menschlicher Verirrung, zeigt der Antisemitismus in fast ermüdender Reichhaltigkeit. So schwer die Vorwürfe sind, die ich hier erhebe, so leicht ist leider der Beweis dafür. Betrachten Sie, meine Herren, zunächst die Entstehungsgeschichte des modernen Antisemitismus und die Entwickelung, die dieser zunächst speziell gegen die Juden geplante Feldzug nahm. Stöcker rühmte sich einst im Parlament, daß er zuerst die Bewegung in das öffentliche, politische Leben hereingctragen habe und hört sich gern den Vater des Antisemitismus nennen. Vater und Sohn wären einander würdig; aber Stöcker ist nicht der Vater, sondern nur der allerdings eifrig sorgende Pflegevater des süßen Kindes. Der eigentliche Vater des Antisemitismus war Bismarck. Auch die Beweggründe dazu sind bekannt- Um den Gegner, den er sein Leben lang bekämpfte, den Liberalismus, an die Wand zu drücken, protegirte Bismarck seiner Zeit die damals sich bemerkbar machende sozialdemokratische Strömung und Lassalle ging bei Bismarck ein und aus. Bismarck hatte den festen Glauben, Herr dieser Bewegung zu bleiben, sie nach gethaner Schuldigkeit wieder heiinschicken zu können und sah schließlich, daß er sich eminent geirrt hatte. Immer höher gingen die sozialdemokratischen Wogen und da beging Bismarck denselben

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