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Im deutschen Reich · 1895-10-01 · Heft 4 (Oktober 1895) · p. 197

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 4 (Oktober 1895)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1895-10-01
Page
197 (sequence 4)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 197 tonte, daß der Antisemitismus auch in Schlesien mehr als genügend vorhanden sei, wenn er auch dort noch nicht solche krassen Blüthen wie anderswo getrieben habe. Er wünscht Wanderredner, Ausrufe und Jnstruktionen an den Einzelnen. An der weiteren Debatte, welche zumeist die vortheilhafteste Art der Propaganda betraf, betheiligten sich die Herren Dr. Koehne, S. Brock, Rechtsanwalt Dr. Fuchs, Dr. Moses, I. Rosenthal, Hermann Cohn, Mendelssohn-Oels, Jonas-Sagan, R. Wohlberg. Schließlich fand folgende Resolution Annahme: „Die hier anwesenden Vertreter der Berliner Gruppen des Central-Vereins und die anwesenden Vertreter schlesischer Synagogen - Gemeinden beschließen, indem sie das bisherige Vorgehen des Central-Vereins durchweg billigen und für alle deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens die Nothwendigkeit anerkennen, nach den Prinzipien dieses Vereins auf dem Wege der Selbsthülfe in der weitesten Oeffentlichkeit ihre staatsbürgerlichen Rechte zu wahren, den Vorstand des Central - Vereins zu ersuchen, mit möglichster Beschleunigung sich auch an die jüdischen Gemeinden der anderen deutschen Provinzen und Bezirke zu wenden und diese zur Absendung von Delegirten nach Berlin behufs Anbahnung umfassender Organisation der Abwehrthätigkeit zu veranlassen." Der Central-Verein hielt am Montag, den 7. d. M., seine erste allgemeine Versammlung in diesem Herbste ab, bei welcher der große Saal des geselligen Vereins der Gesellschaft bis auf den letzten Platz gefüllt war. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz, die Versammlung eröffnet hatte, sprach Herr Dr. meä. Curt Pariser in fesselnder Weise über das Thema: „Antisemitismus- Anarchismus". Zunächst die Pflicht aller Freunde von Ordnung und Gesetz betonend, der Mahnung des Kaisers zu folgen und den Ordnungsfeinden geschlossen Widerstand zu leisten, bemerkte der Redner, daß die deutschen Juden nur scheinbar in einen Separatkampf verwickelt seien, während die gegen sie geschleuderten Pechkränze in Wirklichkeit das Staatsganze bedrohen. Der Anarchismus sei im Grunde nichts Anderes, als die Bestialität der Zügellosigkeit; in den Zielen wie in seinen Mitteln, selbst in vielen nebensächlichen Eigenthümlichkeiten zeige aber der Antisemitismus mit dem Anarchismus eine Aehnlichkeit, welche zu der Annahme berechtigt, daß Beide ein und dasselbe seien. Der Redner schilderte die Entstehung der antisemitischen Bewegung zu der Zeit des ersten Auftretens des Herrn Stöcker, die anfängliche Bekämpfung der Juden von Religionswegen, welcher unter dem Einfluß des durch die kriegerischen Erfolge hervorgerufenen Chauvinismus die Aufreizungen zum Rassen- und Klassenhaß sich anschlossen. Die Versuche der konservativen Partei, den antisemitischen Wind aufzufangen

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