Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Vereinsnachrichten
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 196 (sequence 3)
- Language
- German
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190 Im deutschen Reich. StadLrath Pringsheim erklärte als Vertreter von Breslau seine Bereitwilligkeit, in seiner Heimath für die gute Sache zu wirken. Wenn Neid und Mißgunst die Hauptursachen der antisemitischen Bewegung seien, so müsse unsererseits mit reinen Waffen gekämpft werden und der Kampf in der Hauptsache auf Abwehr beschränkt bleiben. Er hege das Vertrauen zu dem Vorstand, daß er den Kampf in dieser Weise führen werde. (Lebhafter Beifall.) Hierauf schilderte Herr Amtsgerichtsrath Levy-Beuthen die Zustände in Oberschlesien und ettheilte dankenswerthe Rathschläge bezüglich des für die dortige Propaganda einzuschlagenden Verfahrens, wobei der Redner die Bereitwilligkeit der oberschlesischen Juden, die gute Sache wirksam zu unterstützen, im Voraus zusicherte. Als Vertreter der Gemeinde Neisse verwahrte Herr Moritz Koplowitz seine Auftraggeberin gegen den Verdacht des Jndifferentismus; wenn auch dort die Juden mit der strengkatholischen Bevölkerung im tiefsten Frieden leben, fühlten dieselben doch mit den Glaubensgenossen, die in minder günstiger Lage sich befinden. Für die Propaganda in kleineren Gemeinden empfehle sich die Entsendung von Wanderrednern. Herr Kgl. Landmesser Mendels so hn-Oels bot eine interessante Darlegung der Ursachen der Zunahme der antisemitischen Stimmen im Reichstagswahlkreise Oels-Wartenberg. Bezüglich der Propaganda für den Central-Verein empfahl Redner, sich weniger an die Geistlichen, als an die Vorstände der Gemeinden zu wenden und für kleinere Gemeinden besondere Instruktionen auszuarbeiten. Seitens des Vorsitzenden wurde hierauf erwidert, daß sich die Instruktionen in zwei kurzen Sätzen eriheilen lassen: 1. Theilt uns mit, was dort gegen die Juden geschieht, damit wir womöglich einschreiten! 2. Tretet bei! Dazu bedürfe es keines großen Opfers, da die Mitgliedschaft nur von einem Vierteljahrsbeitrag von 50 Pf. abhängig sei. Die angebotene Entsendung von Wanderrednern sei von einzelnen Gemeinden abgelehnt worden. Wo dieselbe gewünscht würde, würde Rath geschafft werden. Nachdem sich Herr Max Jonas-Sagan für, Herr Amtsgerichtsrath Levy-Beuthen gegen den Nutzen der Wanderredner ausgesprochen, empfahl Herr Rechtsanwalt Dr. Fuchs den auswärtigen Mitgliedern einer Stadt in regelmäßigen zwanglosen Zusammenkünften sich zu vereinen, dort die Abwehrstagen und Bestrebungen mit Rücksicht auf die lokalen Verhältnisse zu erörtern und vor Allem auf Gruppenbildung und Werbung das Hauptaugenmerk zu richten. Den korporativen Beitritt ganzer Gemeinden, den Herr Mendels so hn-Oels befürwortete, bezeichnete Herr Stadtrath P rings heim- Breslau mindestens für größere Gemeinden als unpraktisch, was den Vorsitzenden zu der Bemerkung veranlagte, daß die Frage sich nicht generell entscheiden lasse, sondern an verschiedenen Orten in verschiedener Weise beantwortet werden müsse. Herr Rechtsanwalt Sonnenfeld be-