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Im deutschen Reich · 1895-10-01 · Heft 4 (Oktober 1895) · p. 180

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 4 (Oktober 1895)
Article
Umschau
Date
1895-10-01
Page
180 (sequence 7)
Language
German
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180 Im deutschen Reich. Fuchs entreißen möchten, um es dem reaktionären Wolf zur Ausbeutung zu überliefern," habe es fertig gebracht, daß die meisten bemittelten Gesinnungsgenossen seinem Blatte die zugesagte Unterstützung entzogen hätten. Trotz dieses theils finanziellen, theils moralischen Niedergangs einzelner antisemitischer Gruppen, den eine angeblich von dem deutsch-russischen Antisemiten Dr. Erwin Bauer verfaßte Schrift laut verkündigt, wäre es grundfalsch, wenn nun die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens das baldige Herannahen einer Aera der Humanität un- Lhätig erwarten und sich im Vorgefühl einer besseren Zeit in Sicherheit wiegen wollten. Die Wirkungen des nicht nur in den Radau-Versammlungen, sondern sogar auch an den Stätten der Wissenschaft seit zwei Decennien fortwährend den verschiedensten Bevölkerungsschichten eingeimpsten Giftes des Argwohns, Neides und Hasses werden sich leider voraussichtlich noch lange fühlbar machen und auch dann noch nicht verflüchtigt sein, wenn die Verbreiter dieses Giftes längst von der Bildfläche verschwunden sein werden. Die Gesundung der Verhältnisse kann sich nur sehr langsam vollziehen, weil eine ganze Generation unter dem Einfluß von Männern herangewachsen ist, welche, selbst von mittelalterlichen Vorurtheilen befangen, letztere systematisch verbreitet haben. Daß diese nebenher ein rücksichtsloses „Streberthum" großziehen helfen, wird jetzt selbst von antisemitischer Seite als verhängnißvoll bezeichnet. Als sich bei einem vielbesprochenen Anlaß der Verein deutscher Studenten dem Beschlüsse der Vertreter der gesummten Berliner Studentenschaft nicht fügte, erklärte die „Tägliche Rundschau": „Sein Talent zu politischer Strebsamkeit wird ohnehin in weiten Kreisen schlimm genug empfunden; er braucht garnicht erst ein so krasses Beispiel davon zu geben." Eine andere Erscheinung, welche jetzt selbst Diejenigen schreckt, die sie heraufbeschworen, ist das „catilinarische Demagogenthum", eine Bezeichnung, welche die „Hamburger Nachrichten" bei der Besprechung der Reichstagsnachwahl in Oels-Wartenberg anwandten. Das Organ des Fürsten Bismarck sagte dabei wörtlich: „Nicht das Programm, sondern die Methode der Agitation ist es, welche in erster Linie den Vortheil verschafft. Von dem Antisemiten Puchstein wird berichtet, daß er monatelang in dem Wahlkreise auf dem Rade von Dorf zu Dorf gefahren sei, um den einzelnen Wähler durch unmittelbare Anbiederung zu gewinnen. Aehnliches hat man anderwärts von antisemitischen Kandidaten beobachtet, von dem Verkehr mit den Bauern garnicht erst zu reden. Wie oft haben linksradikale Stimmen geklagt, daß das Ansehen des Parlaments von der Regierung nicht gehörig geachtet oder gar planmäßig herabgedrückt würde! Hier handelt es sich um eine unendlich schwerere Schädigung, welche diesem

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