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Im deutschen Reich · 1895-10-01 · Heft 4 (Oktober 1895) · p. 179

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 4 (Oktober 1895)
Article
Umschau
Date
1895-10-01
Page
179 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 179 ordnung in Anspruch gmommen. Daher die in weiten Kreisen eingetretene Entartung des Christenthums zu einem Deckmantel der Selbstsucht und zugleich der Haß der nach Aenderung ihrer Lage strebenden Massen gegen das Christenthum. Seine Aufgabe ist es, aus dem Klassenkampfe, dessen Dasein mit dem Wesen der Rechtsordnung gesetzt ist, das Gift der Ungerechtigkeit und des Bruderhasses zu entfernen. Die Fragen des öffentlichen Lebms, unter denen heute die „soziale Frage" hervortritt, sind Fragen der Gerechtigkeit (der Machtvertheilung), d. h. sie sind Fragen von dieser Welt. Sie werden durch das Christenthum nicht gelöst. Es giebt keine christliche soziale Ordnung." Diesen Ausführungen gegenüber erklärte auf dem Kongreß in Posen der ehemalige Hofprediger Stöcker, das Staatsleben müsse im Gegensätze zu dem jüdischen und dem heidnischen Recht von christlichen Gedanken durchzogen sein. Auch Herr Pfarrer Naumann vertheidigte gegen den Hofrath Professor Sohm die christlich-soziale Bewegung. Bezeichnend für die unter den Anhängern dieser Richtung jetzt herrschende Stimmung ist ein von Herrn Pastor Kötzschke an den Freiherrn von Stumm gerichteter Brief, in welchem es heißt: „Wir stehen jetzt auf dem Punkte, eine reine Arbeiterpartei zu werden. Wir werden aus Schleppenträgern der Herren „von Bildung und Besitz" zu ihren Gegnem. Ja, wir werden bald schlimmere Gegner sein als die Sozialdemokraten." Dieses offenherzige Bekenntniß ist kaum minder interessant als das, was in dem von Ahlwardt begründeten „Deutschen Volks-Recht" vom 18. September über die radikale antisemitische Volkspartei zu lesen war: „Nicht Dr. Böcke! selbst, viel weniger seine Feinde im Judenthum, Freisinn und Sozialdemokratie, sondern ehrgeizige Streber im eigenen Lager haben seine Stellung in Hessen unterwühlt. Er hatte seine aussichtsreiche Stellung — könnte seit Jahren ordentlicher Professor sein, während mancher andere Emporkömmling ohne ihn vielleicht noch als verbummelter Student Herumliese — aufgegeben und seine ganze Lebenskraft in den Dienst der Volkssache gestellt. Während er im aufreibenden Kampfe stand, wurden ihm seine besten Hilfsquellen in Berlin genommen. 1893 war es gelungen, 10000 Mark, die in Berlin eigentlich ganz für Dr. Böckel und dessen Wahlkreise in Hessen bestimmt waren, in den Wahlfonds nach Dresden hinüber zu leiten. Das Jntriguenspiel, welches Herr Zimmermann hinter dem Rücken seines Freundes Böckel trieb, findet nur sein Gegenstück an seinem Verhalten zu Sacher-Masoch. welches bekanntlich gerichtsseitig als „doppelzüngig" bezeichnet wurde. Trotzdem ist Herr Zimmermann ein ehrlicher Deutscher!" Herr Ahlwardt selbst behauptete in einer öffentlichen Erklärung, „die heimtückische Agitation der unter antisemitischer Flagge segelnden Reaktionäre, die das Volk dem jüdischen 13*

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